Wer kennt es nicht, das oft leichtfertig verwendete Wort „Studentenleben„. Häufig steht es synonym für einen Lebensstil, den die meisten Studenten sich nicht einmal zu erträumen wagen. Vor allem Menschen ohne akademische Erfahrungen denken dabei häufig an Studentenpartys, einen langen Schlaf bis in die Mittagsstunden und lockere Schwätzchen in der Mensa oder auf den Campus-Wiesen. Die Realität sieht aber meist anders aus. Zwischen familiären und sozialen Verpflichtungen, zwischen Arbeitsschichten, die das Studium und das Studentenleben finanzieren sollen, zwischen Druck und zwischen Zukunftsängsten findet das reale Studentenleben statt. Ein Leben, das voll ist von Abgabeterminen, Leistungsnachweisen und Bibliotheksbesuchen.

Abschaffung der Anwesenheitspflicht

Wer selber studiert hat oder zumindest Bekanntschaften pflegt, die sich an den Fakultäten des Landes herumtreibt, der weiß, dass das Studentenleben weit von der eingangs erwähnten Utopie entfernt liegt. Vor allem die finanzielle Unsicherheit ist häufig ein Grund, warum Studenten exmatrikulieren und sich beruflich umorientieren. Hast du nicht auch schon einmal mit dem Gedanken gespielt? Im Zuge dieses Spannungsfeldes hat beispielsweise vor einigen Jahren die rot-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen beschlossen, die Anwesenheitspflicht an den Universitäten abzuschaffen. So sollte Studenten erleichtert werden, ihren Verpflichtungen abseits des Campus besser nachgehen zu können. In diesem Zuge wurde den Dozenten untersagt, Studierenden die Zulassung zu Prüfungen oder die Bescheinigung einer Veranstaltungsteilnahme aufgrund von hohen Fehlzeiten zu verweigern. Auch Studienleistungen, die eine physische Anwesenheit erfordern, wurden aus den Curriculaes der nordrhein-westfälischen Universitäten verbannt.

Kritische Stimmen

Wie alles im Leben, hatte auch dieser Schritt seine Schattenseiten. Wenn du selbst studierst, dann kannst du es dir denken. Zumindest, wenn du an Seminare und Vorlesungen zu Beginn eines Semesters denkst und daran, wie der Zulauf zu diesen ein paar Wochen später aussah. Die abgeschaffte Anwesenheitspflicht sorgt vor allem bei Dozenten für Verdruss. Seminare, an denen nicht einmal mehr zehn Personen regelmäßig teilnehmen oder Vorlesungen vor leeren Bänken, sind die Folge. Kein Wunder, dass also eine Debatte über die Effizienz der abgeschafften Anwesenheitspflicht entstand.

Mitentscheiden, statt entscheiden lassen

In Nordrhein-Westfalen führte diese Debatte dazu, dass mit dem Regierungswechsel zu einer schwarz-gelben Koalition die Wiedereinführung der Anwesenheitspflicht stark diskutiert wird. Stand jetzt soll die Entscheidung über eine Wiedereinführung in die Verantwortung der einzelnen Hochschulen übergehen.

Vielleicht fragst du dich, warum das für dich als Studierenden relevant ist. Einerseits, das liegt auf der Hand, wird sich diese Entscheidung auf dein Studentenleben auswirken. Deine Flexibilität wird in der Arbeits- und Freizeitplanung massiv beschnitten. Andererseits liegt es im Rahmen deiner Möglichkeit, dich an dieser Entscheidung zu beteiligen. Im Zuge der Hochschulpolitik haben nämlich auch Studierende die Möglichkeit, ihr Mitspracherecht in Gremien zu nutzen, die an der jeweiligen Universität über die Wiedereinführung der Anwesenheitspflicht beraten. Solltest du eine Meinung zu diesem Thema haben, kannst du dich bei deinem AstA informieren, wie du sie in die Debatte an der Universität einbringen kannst.