Wissenschaftler mehrerer Nationen – darunter auch Forscher des Bonner Max-Planck-Instituts für Radioastronomie – haben die Daten des Event-Horizon-Teleskops ausgewertet und daraus das “Bild” eines Schwarzen Lochs errechnet. Für das Teleskop wurden acht Einzelteleskope auf dem gesamten Globus zusammengeschlossen.

Kann man ein Schwarzes Loch fotografieren?

Natürlich nicht. Es handelt sich immerhin um eine Anhäufung von Masse von so großer Dichte, dass sie Lichtstrahlen “verschluckt”, anstatt sie auszusenden. Eine auf Licht basierende Fotografie ist daher ausdrücklich nicht möglich. Das im April 2019 publizierte erste “Bild” eines Schwarzen Lochs ist also eine exakte Darstellung der Daten, die vom Event-Horizon-Teleskop stammen – eine Darstellung, die für uns Zuschauer in eine visuelle Darstellung übersetzt wurde. Sie ist zwar noch unscharf, aber dennoch eine Sensation. Dass es Schwarze Löcher im Weltall gibt, wurde nämlich schon im späten 18. Jahrhundert vermutet.

Als Albert Einstein 1915 seine Allgemeine Relativitätstheorie vorstellte, band er darin die Theorie des Schwarzen Lochs ein, das aufgrund seiner Masse den Raum und die Zeit verformen kann (Materie “dellt” die Raumzeit ein). Eine extrem dichte Masse wie die des Schwarzen Lochs kann demnach die Raumzeit auf eine Weise eindellen, dass in dieser Region alles verschwindet. Diese Theorie hat einen universellen Charakter. Theoretisch (und wahrscheinlich auch praktisch) gibt es überall winzige Raumzeitdellen, auch auf der Erde. Sie sind nur nicht messbar. Eines Tages aber könnten sie einmal eine praktische Bedeutung erlangen. Es war daher wichtig, die grundlegende These der Relativitätstheorie zu beweisen. Das ist mit diesem “Foto” eines Schwarzen Lochs gelungen.

Vertrauen die beteiligten Wissenschaftler ihrem Ergebnis?

Offenbar schon, wie der deutsche Forscher Michael Kramer – Chef der astronomischen Abteilung am Max-Planck-Institut – gegenüber WELT online ausführte.

Die moderne Wissenschaft setzte bei der Evaluierung der Daten mit dem Event-Horizon-Teleskop und ihrer Auswertung auf über 100 Jahre Forschungsgeschichte seit der Relativitätstheorie auf. Einsteins Theorie führte nämlich schon 1916 der deutsche Astronom Karl Schwarzschild mit seiner Metrik des Gravitationsfeldes einer punktförmigen Masse fort (sog. Schwarzschild-Metrik), es folgten zahllose weitere Theorien unter anderem durch Subrahmanyan Chandrasekhar und Arthur Eddington (1920er Jahre), Robert Oppenheimer (1939), Roy Kerr (1963), John Archibald Wheeler (1967, er etablierte den Begriff “Schwarzes Loch”), Stephen Hawking (1974) sowie Badri Krishnan und Abhay Ashtekar (2002). Über ein komplettes Jahrhundert führten alle Theorien zum Ergebnis, dass es Schwarze Löcher und somit die Raum-Zeit-Krümmung geben müsse.

Nun ist es gelungen, so ein Schwarzes Loch aus vielen Millionen Datensätzen darzustellen. Die Theorien seit 1915 gelten damit als bewiesen. Das ist ein Quantensprung in der Wissenschaft.

Kann uns das Schwarze Loch verschlingen?

Nein, Entwarnung. Es ist erstens sehr weit entfernt, nämlich 55 Millionen mal 9,46 Billionen Kilometer. Woher wir das wissen? Nun, die Daten, die wir heute aus der Galaxie M87 – dem Ort des nämlichen Schwarzen Loches – empfangen, stammen aus der Zeit der Dinosaurier (vor 55 Millionen Jahren) und legen die Strecke zu unseren Teleskopen mit Lichtgeschwindigkeit zurück (9,46 Billionen Kilometer pro Jahr). Das ist so unvorstellbar weit, dass uns keine Gefahr droht. Außerdem kann das Schwarze Loch noch existieren, das ist aber nicht zwingend. Schwarze Löcher verschwinden nämlich, wenn sie die Masse in ihrer Umgebung komplett absorbiert haben. Es gibt noch nähere Schwarze Löcher in unserer Umgebung, doch niemand muss sich vor ihnen fürchten.