Nach der Weltklimakonferenz in Katowice in der ersten Dezemberhälfte 2018 gibt es erste Statements von Wissenschaftlern zu den Ergebnissen. Im Grundsatz wurde auf der Konferenz ein Regelwerk für die Umsetzung des Pariser Klimavertrages von 2015 erlassen.

Darin enthalten sind Standards für die Messung von Fortschritten beim Klimaschutz zum Zweck der Vergleichbarkeit. Auch die finanzielle Unterstützung von Entwicklungsländern durch die Industriestaaten bei Klimaprojekten erhielt einen genaueren Rahmen als bisher. 

Daniela Jacob, Direktorin des Climate-Service-Center, Helmholtz-Zentrum Geesthacht:

Die Klimakonferenz in Katowice hat es zum zweiten Mal (nach Paris 2015) geschafft, sich auf eine Begrenzung der Erderwärmung unter zwei Grad zu einigen. Das Ziel lautet nunmehr 1,5 Grad, die Referenztemperatur stammt aus dem vorindustriellen Zeitalter. Die globale Demokratie funktioniert also, das Ziel ist klar, Regeln gibt es seit Katowice auch. Wir brauchen nun Handlungsoptionen.

Wissenschaftlichen Fakten sind unverzichtbar, es bedarf eines noch viel stärkeren Dialoges zwischen Wissenschaft und aufgeklärter Gesellschaft. Nur so lassen sich innovative Konzepte entwickeln. Am “Klimaziel 1,5 Grad” sollten wir unbedingt festhalten. Dabei darf das Wirtschaftswachstum nicht ausgebremst werden. Wir müssen Klimaschutz und die Bekämpfung der Armut miteinander verknüpfen. 

Reimund Schwarze, Forschungskoordinator am Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Es waren langwierige und schwierige Klimaverhandlungen in Katowice, doch das Gesamtergebnis kann sich sehen lassen kann. Das entstandene Transparenzsystem für die Umsetzung der Pariser Klimaziele war zwingend nötig. Konkrete Vorgaben zum Handeln gibt es nunmehr in vier Bereichen: 

  • Klimaschutz
  • Klimanpassung
  • Finanzhilfen
  • Technologietransfer

Besonders positiv sind die klaren Regeln zu bewerten, nach denen künftig nationale Beiträge zum Klimaschutz verglichen werden können. Ab 2023 können die Staaten exakt beziffern, inwieweit sie – jedes Land für sich – die Ziele des Pariser Abkommens erreicht haben. 

Klimaanpassungsforscherin Maria Máñez

Es gibt zwar auch enttäuschte Reaktionen von Umweltverbänden auf die Ergebnisse von Katowice, doch größtenteils sind diese positiv zu bewerten. Dass die Faktenlage geklärt ist, darf als großer Fortschritt begrüßt werden. Immerhin bestritten noch vor sehr kurzer Zeit sogar Spitzenpolitiker wie US-Präsident Donald Trump den Zusammenhang zwischen menschlichem Handeln und Klimaveränderungen.

Inzwischen gibt sogar erste Regeln für das gemeinsame Erreichen von Klimazielen und für die nötige Kontrolle. Die Welt arbeitet also nun tatsächlich gemeinsam gegen den Klimawandel. Der Prozess der Umsetzung wird aber lange dauern, er wird in vielen kleinen Schritten stattfinden. Große Herausforderungen kommen auf die Forschung zu, weil wir Metriken benötigen, die international einheitlich angewendet werden können. Es geht darum, was genau an Schadstoffemissionen wie gemessen werden soll und wie darüber Bericht erstattet wird. Deutschland ist ein Vorreiterland in der Forschung und kann dabei eine wichtige Rolle spielen. Diese Problematik dürfte das Hauptthema der nächsten Klimakonferenz (geplant: Januar 2020, eventuell schon Dezember 2019) in Chile sein.

Deutschland soll jedoch auch selbst seine ambitionierten Klimaziele weiter im Auge behalten. Unser größtes Problem besteht im Ausstoß von CO₂ durch die Energiewirtschaft, sie verursacht etwa die Hälfte dieser Emissionen. Die Braunkohleverstromung sollte beendet werden. Das allein genügt natürlich nicht, vielmehr benötigen wir einen sicheren und bezahlbaren Energiemix. Das Ziel lautet, die Treibhausgasemissionen der deutschen Energiewirtschaft bis zum Jahr 2030 absolut abzuschaffen.

Die Politik sollte auf die Wissenschaft hören. Neben der Energiewirtschaft müssen auch Bereiche wie die Industrie, der Verkehr und die Ernährung so umgestellt werden, dass die Klimaziele zu erreichen sind.