Wer in die Zukunft schauen möchte, sollte die Science-Fiction-Literatur durchaus ernst nehmen. Was da so unterhaltsam beschrieben wurde, traf das, was dann wirklich eintrat, oft genauer auf den Punkt als die meisten Aussagen wissenschaftlicher Experten. Der Zukunftsforscher Bernd Flessner von der Universität Erlangen-Nürnberg wagt diese Aussage nach seinem Rückblick. Betrachten wir dazu ein ganz klassisches Beispiel:

Im Jahre 1869 erschien ein Roman von Jules Verne mit dem Titel „20.000 Meilen unter dem Meer„. Darin spielte ein beeindruckendes Unterwasserfahrzeug, die Nautilus, eine Hauptrolle und lieferte zugleich den grundlegenden Plan für alle später folgenden U-Boote, wenngleich Jules Verne mitnichten der Erfinder des U-Bootes ist. Allein er war mit seiner Nautilus sehr wohl der Zeit voraus.

Ein Taschentelefon so groß wie eine Zigarettenschachtel, Drohnen und Roboter in Menschengestalt. Das alles gehörte zu den Visionen, die Autoren schon vor langer Zeit in ihre Bücher schrieben und Regisseure auf der Kinoleinwand in bewegte Bilder umsetzten. Die Wissenschaftler derselben Epochen belächelten großmütig die „durchgeknallten“ Fantasien jener Filmemacher, die ihrer Meinung nach nichts weiter als Effekthascherei betrieben, um das Volk ins Kino zu locken. Doch seit ungefähr 20 Jahren hat sich diese eher ablehnende Haltung stetig verändert, denn eines ist in der Tat klar geworden: Die Geschichten, die in dem nicht ganz ernst genommenen Genre Science-Fiction erzählt wurden, lagen am Ende der Realität näher als die meisten Prognosen der Wissenschaftler. Ist das nur Zufall oder verbirgt sich vielleicht sogar ein Prinzip dahinter?

Dr. Bernd Flessner vom ZiWiS („Zentralinstitut für Wissenschaftsreflexion und Schlüsselqualifikation„) beschäftigt sich mit genau dieser Frage und erklärt den Zusammenhang so:

Wissenschaftler zeichnen sich meistens durch eine Art Tunnelblick aus, der sehr stark auf ihr aktuelles Problem fokussiert ist. Ihre „Betriebsblindheit“ besteht darin, dass sie vor allem immer sehr genau sagen können, was alles nicht geht. Science-Fiction-Autoren dagegen halten sich niemals lange mit Detailfragen auf, denn sie haben das große Ganze vor Augen und haben alle Hände voll damit zu tun, eine ganz andere, in sich stimmige Welt zu entwerfen. Auch spielt für sie der Zeitpunkt beziehungsweise die chronologische Aufeinanderfolge bestimmter technischer Entwicklungen keine wirkliche Rolle. So war es möglich, dass unsere heutigen Smartphones bereits vor über 100 Jahren recht detailliert beschrieben worden sind.

Wagen wir einen Blick in die Kristallkugel

Die aktuelle Science-Fiction-Literatur geht von einer Verschmelzung von Maschine und Mensch aus. Den Anfang davon machen gerade eingepflanzte Chips, die Blinden das Sehen und Hörbehinderten das Hören ermöglichen sollen. Auch die Gentechnik wird in der Zukunfts-Literatur thematisiert, indem immer wieder Bilder von perfektionierten Menschen gezeichnet werden und überhaupt spezialisierte Lebensformen für bestimmte Handlungsfelder gezielt optimiert werden.

Dass die Menschen schlussendlich einen Weltuntergang vom Zaume brechen, darin sind sich wohl die meisten Autoren ziemlich einig, allein in der Frage, wie perfide wir das angehen, darin unterscheiden sie sich ein wenig. Natürlich kommen ethische Fragestellungen in der Science-Fiction nicht zu kurz, befeuert von der weisen Voraussicht, dass die Künstliche Intelligenz (KI) wohl nicht darum herumkommen wird, eines Tages denkende, lernende und fühlende Maschinen zu kreieren. Da stellt sich dann die Frage, ob wir das Recht haben werden, diese Computer einfach auszuschalten? Die Justiz wird den Mordbegriff gehörig erweitern müssen.

Müssen Menschen den Geräten vertrauen?

Der Zukunftsforscher Sven Gabór Jánszky weiß schon heute, dass unser aller Leben sehr bald von digitalen Systemen total überwacht sein wird. Jeder Nutzer wird ihnen bis ins tiefste Gefühl bekannt sein, damit die Maschine, gleich einem Navigationssystem, dem Menschen Vorschläge für den jeweils nächsten Schritt im Alltag vorkaut. So sagt er uns eine schöne, bunte, neue Welt voraus, in der Wände, Tische oder Spiegel den Menschen raten, welche Krawatte ihnen besser steht oder welches Häppchen sie vom Partyteller schnappen sollen. Schon heute finden wir es bemerkenswert, dass Autofahrer ihrem Navigationssystem mehr vertrauen als ihrem Beifahrer oder gar ihren eigenen Augen. Diese traurige Entwicklung wird sich noch potenzieren.