Der generelle Tenor ist klar: Wer in Deutschland eine Universität besuchen möchte, der braucht ein Abitur oder wenigstens eine Fachhochschulreife um wenigstens ausgewählte Studienfächer auswählen zu können.

Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Die Universitäten in Deutschland haben eine Vielzahl von Programmen, die auch von Quereinsteigern ohne ein Abitur genutzt werden kann. Dabei unterscheiden sich die Erfahrungen dieser Studenten meist deutlich von jenen, die den klassischen Weg gewählt haben.

Das Studium nach der Ausbildung – es ist möglich 

Tatsächlich ist die Gruppe jener Studenten, die ohne das klassische Abitur den Weg auf die Universität wählt noch immer eine Seltenheit. Derzeit sind nur etwa drei Prozent aller Studenten in Deutschland über einen anderen Weg auf die Uni gekommen. Dabei handelt es sich meistens um Quereinsteiger, die ihren bisherigen Karriereverlauf im Berufsleben hatten. In der Regel kommen sie aus einer dualen Ausbildung, haben ihren Meistertitel in einem handwerklichen Beruf gemacht oder durch einfache Berufserfahrung die nötigen Einstiegshürden für ein Studium genommen. Dass dieser Weg überhaupt zur Verfügung steht, ist bisher nur wenigen Menschen bekannt. Auch daran liegt es, dass die Studenten in diesem Bereich eher wenig vertreten sind. 

Ein anderes Problem wird nun durch eine Studie untermauert: Ganz generell scheinen die Universitäten ihren Studenten ohne ein Abitur die anspruchsvollen Studien an ihren Bildungsstätten nicht zuzutrauen. Manche sprechen sogar von einer Problemgruppe innerhalb der Universität. Eine unfaire Betrachtung, wenn man einmal einen Blick auf die Ergebnisse der Studie wirft. Diese zeigt nämlich eindeutig, dass auch die Studenten, die über den Berufsweg gekommen sind, über hervorragende Ergebnisse verfügen können. 

Klare Selbstreflektion – und der Wunsch nach besserer Beratung 

Der kritische Blick der Universitäten auf die Studenten, die aus einer Ausbildung oder dem Berufsleben auf die Uni kommen, wird durch die eigenen Einschätzungen der Studenten durchaus unterstützt. Diese sehen sich nämlich in vielen Fällen nicht mit allen theoretischen Vorgaben bestückt. Gerade im Bereich der Mathematik haben sie oftmals Schwierigkeiten, die mitunter hohen Hürden für erfolgreiche Prüfungen zu nehmen. Da sie sich dieses Problems aber bewusst sind, gibt es auch eine höhere Bereitschaft, den nötigen Stoff nachzuholen. 

Tatsächlich lassen sich hinsichtlich der Leistungen wenig Unterschiede zu den traditionellen Studenten finden. Einzig die Abbruchrate bei diesen Studenten ist höher. Das dürfte aber vor allem daran liegen, dass sie meist aus einem Umfeld kommen, in dem bereits Verdienste vorhanden waren. Es muss ein gewisser Lebensstandard gehalten werden und das ist mit einem Studium meist nicht möglich. Davon ab bringen die Absolventen nach dem Abschluss die gleichen Leistungen wie ein Student, der über das Abitur an die Universität gekommen ist. 

Was sich Studenten aus der beruflichen Richtung wünschen, ist vor allem eine bessere Beratung. Bisher scheint es an den meisten Unis nur wenig Erfahrung mit diesen Studenten zu geben. Entsprechend gering sind die Angebote für einen einfachen Quereinstieg nach dem Arbeitsleben. Hier müssen die Unis ihren Ruf und ihr Angebot verbessern – und Vorurteile gegenüber jenen abbauen, die nicht über das Abitur an einen Platz auf der Universität gekommen sind.