Einen spektakulären Fund haben Wissenschaftler Anfang 2019 in Argentinien (Region Patagonien) gemacht: Sie entdeckten ein Saurierskelett, das am Hals, auf dem Rücken und dem Schwanz riesige Stacheln trug. Das sieht gefährlich und spektakulär aus, jedoch war der jüngste aller bislang entdeckten Dinos trotz des martialischen Auftritts offenbar ein Pflanzenfresser.

Wofür brauchte der Bajadasaurus pronuspinax seine Stacheln?

Der Saurier, der vor etwa 140 Millionen Jahren lebte, hatte am Hals enorme Stacheln von rund einem Meter Länge, einige waren wohl sogar noch länger. Gefunden hat die Überreste ein Paläontologen-Team unter der Leitung von Pablo Gallina. Sie schilderten inzwischen ihre Erkenntnisse mehreren Fachmagazinen, darunter “Scientific Reports“ und “Nature”. Seinen Namen Bajadasaurus pronuspinax gaben sie dem Dino nach seinem Entdeckungsort Bajada Colorada (Provinz Neuquén). Auch die wissenschaftliche Zuordnung gelang schon: Dieser furchterregende Dinosaurier gehörte ganz eindeutig zu den Dicraeosauridae, die nur Pflanzen fraßen. Von diesen trugen viele Stacheln oder Schilde auf dem Rücken, über welche die Paläontologen schon sehr lange unterschiedlichste Theorien aufstellen. Möglicherweise kann der Bajadasaurus pronuspinax etwas zur Aufklärung beitragen. Die Forscher aus dem Team von Pablo Gallina glauben, dass es sich um Abwehrwaffen gegen Raubtiere handelte. Die Stacheln sind lang und spitz, sie schützten vor allem den Hals und den Rücken der recht großen und schwerfälligen Dinosaurier. Es kamen und kommen aber auch immer wieder Theorien auf, nach denen sie die Körpertemperatur ihrer Träger regulierten oder diese sexuell attraktiver machten. Das südamerikanische Forscherteam untermauert aber seine These von passiven Abwehr mithilfe der Stacheln mit den übrigen Merkmalen des Bajadasaurus pronuspinax. Dieser fraß offenbar Bodenpflanzen, das legt sein Körperbau nahe. Seine Augen saßen am Schädel sehr weit oben, er konnte gut die Umgebung überblicken. Gleichzeitig waren sein längerer Hals und der Rücken vergleichsweise ungeschützte Bereiche – wären da nicht die gigantischen Stacheln gewesen, die auch am aufgefundenen Skelett ausgezeichnet erhalten sind. Vielleicht konnte er sich gesondert aufrichten, wenn er einen herannahenden Feind entdeckte. 

Spektakuläre Funde in Argentinien

Der Team von Pablo Gallina hatte seit 2010 um Bajada Colorada herum nach Saurierskeletten gesucht. Argentinien ist eine wahre Fundgrube für die Paläontologen. Im Fachmagazin Nature wurde auf die besondere Bedeutung dieses Fundes hingewiesen. Die langen Stacheln würden eine neue Bewertung des Sauropoden-Abwehrsystems erlauben, schreiben die Wissenschaftler. Die Dicraeosauriden, zu denen der Bajadasaurus pronuspinax gehört, zeichnen sich unter allen Sauropoden-Arten durch ihre ausgeprägte Wirbelsäule mit den gepaarten, neuralen und besonders langen Stacheln aus. Es gibt in Südamerika eine Obergruppe dieser Dinosaurer namens Amargasaurus cazaui, zu denen der Bajadasaurus pronuspinax gehören dürfte und die durch besonders extreme Stacheln auffallen – wobei der jüngste Fund wohl das bislang ausgeprägteste Beispiel liefert. Dass diese eine passive Verteidigungsstruktur darstellten, leiten die Nature-Autoren aus der Form der Stacheln ab: Diese sind nach vorn gebogen. Das bedeutet, der Saurier musste sich nur seinem Feind zuwenden, um ihm seine Stacheln entgegenzustrecken. Damit gelten die früheren Theorien zu den Stachelfunktionen, zu denen auch Möglichkeiten wie Stützstruktur, gepolsterter Scheitel, Buckel voll Fett oder Innenkern für Dorsalhörner gehörten, endgültig als überholt.