Immer der Nase nach, könnte man sagen, wenn es um die Richtung geht, in die wir bei unserer Partnerwahl laufen. Allein, das weiß kaum jemand. Dass unser Tun und Handeln ganz wesentlich von unserem Unterbewusstsein bestimmt wird, hat sich sehr wohl schon weit herumgesprochen. Und unsere Nase hat ihren Anteil daran. Zwar nehmen wir die meisten Gerüche und Düfte kaum bewusst wahr, dennoch lösen sie in unserem Gehirn und Körper Reaktionen aus.

Jeder riecht anders

Jeder Mensch verströmt seinen individuellen Körpergeruch, der durchaus eng an seine individuelle Genetik geknüpft ist. So jedenfalls lautet die Erkenntnis von Geruchsforschern der Ruhr-Universität Bochum. Am Universitätsklinikum Dresden wurde kürzlich eine Studie veröffentlicht, die sich mit der Bedeutung des Geruchssinns mit Blick auf unser zwischenmenschliches Verhalten beschäftigt. Darin wird klar zum Ausdruck gebracht, dass unser Geruchssinn nahezu hauptverantwortlich ist für unsere sexuellen Beziehungen. Männer mit einer angeborenen Anosmie (Riechverlust) haben statistisch betrachtet deutlich weniger sexuelle Kontakte. Eine andere, ältere Studie der TU Dresden verwies darauf, dass Frauen nur dann ein zufriedenstellendes Sexualleben genießen können, wenn sie ihren Partner gut riechen können.

Der tiefere Sinn dahinter

Mit unserem Geruchssinn prüfen wir vor allem die Genießbarkeit von Nahrungsmitteln. Wer einmal den üblen Gestank von Aas aus seiner Nase nicht mehr herausbekam, weiß, wie effektiv unser Geruchssinn funktionieren kann. Auch soll uns unsere Nase vor giftigen Gasen oder Rauch warnen. Aber es geht darüber hinaus um viel feinfühligere Wahrnehmungen. Es gibt Menschen mit einer angeborenen Anosmie, ihnen fehlt der Geruchssinn ganz und gar. Sie entwickeln eine deutliche Verunsicherung gegenüber anderen Menschen bis hin zu depressiven Störungen. Diese fehlende Sinnesleistung wirkt sich übrigens bei Männern und Frauen ziemlich unterschiedlich aus.

Frauen haben nachweislich ein besseres Riechvermögen als Männer. Dies wirkt sich so aus, dass Frauen Gerüche leichter identifizieren und auch geringere Konzentrationen an Geruchsstoffen wahrnehmen können. In der Konsequenz legen Frauen großen Wert auf den Körpergeruch ihres Sexualpartners, wohingegen Männern eher von der Optik geleitet werden. Daher unterscheiden sich die Folgen der Anosmie bei beiden Geschlechtern.

Weitere interessante Studienergebnisse

Im Rahmen der oben genannten Studie wurden 32 Frauen und Männer zwischen 18 und 50 Jahren mit einer angeborenen Anosmie befragt. Die Kontrollgruppe umfasste 36 Probanden. Als eine Ursache für die Unsicherheit im Sozialverhalten wurde neben der fehlenden Information zum Geruch des Anderen eine Angst vor dem eventuell unangenehmen eigenen Geruch ausgemacht. In der Konsequenz hatten gesunde Männer durchschnittlich fünfmal mehr sexuelle Beziehungen als die von Anosmie Betroffenen. Bei den Frauen war ein derart signifikanter Unterschied aber nicht erkennbar.

Frauen mit einem guten Geruchssinn erfahren offenbar deutlich häufiger einen Orgasmus, das ist ein weiteres Ergebnis aus einer Studie der TU Dresden. Ein „Metro“-Bericht auf Grundlage der Befragung von 70 Frauen zeigt auf, dass sechs von sieben Frauen mit einem besonders ausgeprägten Geruchssinn regelmäßig einen Orgasmus erleben. Von den Frauen mit einem eher schlechten Geruchssinn genießt nur eine von sieben diesen Vorzug.