Der Wissenschaft gibt ihr Zweck Rätsel auf. Die besten Luftaufnahmen der schier unglaublich groß angelegten Kunstwerke sind die der NASA. Am besten lässt sich aus dem Weltraum erkennen, welche Dimension diese von Menschen geschaffenen Bilder haben. Über 1500 der sogenannten Nazca-Linien wurden vor mehr als tausend Jahren in der Wüste Perus hinterlassen.

Handelt es sich bei den Scharrbildern um kultische Zeichnungen, die Teil eines Fruchtbarkeitsrituals waren? Wurde mit ihrer Hilfe Astronomie betrieben? Landeten etwa Außerirdische und hinterließen ihre Spuren? Schließlich fügen sich die Geoglyphen nur aus der Luft betrachtet zu einem erkennbaren Bildganzen. Neue Funde in den Hügeln Perus könnten jetzt dafür sorgen, dass sich auch aus dem Puzzle der Vermutungen allmählich eine plausible Erklärung zusammensetzt.

50 weitere Geoglyphen wurden in der nördlich von Nazca gelegenen Region Palpa entdeckt. Das Team um den Archäologen Johny Isla konnte sie mithilfe von Drohnen, Satelliten und 3-D-Scannern aufspüren. Bodenerosionen hatten die Geoglyphen verdeckt, sodass sie bisher nicht gefunden worden waren. Die zuvor bekannten Bilder zeigten meist Linien und Polygone, ohne erkennbar figürlichen Charakter, aber auch Tierbilder, wie einen Affen von 135 Meter Größe. Nun wurde die Zeichnung eines Wals und mehrerer Menschenfiguren entdeckt, zumeist Darstellungen von Kriegern. Die Forscher gehen davon aus, dass die Palpa-Linien Vorläufer der Nazca-Linien sind, die entstanden, nachdem die Paracas-Kultur von Palpa nach Nazca wanderte. Die jetzt gefundenen Linien sind vermutlich schon wesentlich älter als die Nazca-Linien und ein halbes Jahrhundert früher, zwischen 500 vor Christus und 200 nach Christus, entstanden.

Um die Linien zu hinterlassen, musste gezielt die obere Gesteinsschicht abgetragen werden, damit dann die darunter liegende hellere Schicht zu sehen ist. Menschen, die sich auf den Linien bewegten, waren dann aus der Ferne klarer zu erkennen. Dass die Linien eigentlich Bilder sind, wurde erst 1924 entdeckt, als die ersten Flugzeuge über die Region flogen. Seit 1994 gehören die Nazca-Bilder zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Als 2014 der Klimagipfel in Lima stattfand, hatte Greenpeace nicht weit entfernt von der Nazcazeichnung eines Kolibris, dessen Flügelspannweite sich über 66 Meter erstreckt, eine Protestaktion veranstaltet. Dabei wurden Fußabdrücke und Fahrzeugspuren hinterlassen, die nachwiesen, dass ein Gebiet betreten worden war, das nur mit einer besonderen Genehmigung und Spezialschuhen hätte betreten werden dürfen. Auch, wenn die Linien selber unbeschädigt blieben und Greenpeace sich entschuldigte, wurden durch die USA Gelder zur Finanzierung eines Restaurierungsprojekts bereitgestellt. Experten, die das Projekt vorbereiten sollten, wurden ausgeschickt, um Luftbilder der Region anzufertigen.

Zusätzlich wurde auch die Plattform GlobalXplorer.org eingesetzt. Sie wurde von der amerikanischen Satellitenarchäologin Sarah Parcak gegründet und ermöglicht interessierten Menschen weltweit, ihr spezifisches Wissen über eine zu erforschende Region mittels des Internets beizutragen und so auszuwertende Satellitenbilder mit weiteren Informationen anzureichern.

Einer der Sponsoren war auch die Zeitschrift National Geographic, die jetzt exklusiv über den neuen Fund berichten konnte.