Für eine Studie, die den Einsatz eines innovativen digitalen Frühwarnsystems zur Früherkennung möglicher Herzstillständen bei Risikopatienten untersuchte, wurde deren Leiter Prof. Dr. Axel R. Heller am 9. Mai 2019 durch die DGAI ausgezeichnet. Die Studie zeigte Wege auf, mit denen Herzstillstände durch die Frühwarnung bei PatientInnen auf Intensiv- und Normalstationen reduziert werden können.

Mobiles Sensorset zur Früherkennung von Unregelmäßigkeiten

Prof. Heller hat an der Universität Augsburg den Lehrstuhl für Anästhesiologie und Operative-Intensivmedizin inne. Er ist gleichzeitig Direktor am Universitätsklinikum Augsburg. Die Auszeichnung erfolgte anlässlich des DAC (Deutscher Anästhesiecongress), der Mediziner erhielt den Heinrich-Dräger-Preis 2019 von der Deutschen Gesellschaft-für Anästhesiologie und lntensivmedizin (DGAI). Diese medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft hat knapp 15.000 Mitglieder. Prof. Heller hatte im Frühjahr 2018 im Fachjournal “Annals of Surgery” seine Studie publiziert. Darin stellte er das Pilotprojekt seines Forschungsteams vor. Dieses führte bei Risikopatienten unmittelbar nach Operationen mehrmals täglich Messungen mit einem mobilen Sensorset durch, um lebenswichtige Funktionen aufzuzeichnen. An der Studie nahmen fast 4.000 PatientInnen über 24 Monate teil. Die hohe Fallzahl führte zu gesicherten Daten: Durch das Frühwarnsystem konnten kritische Zustände siebenmal häufiger erkannt werden als bei konventionellen Untersuchungen. Diese Frühwarnung senkte die Rate der Herzstillstände von 5,3 Promille auf 2,1 Promille. Gleichzeitig wurde die Zahl der Notfallverlegungen von der Normal- in die Intensivstation signifikant gesenkt.

Fortschritt der Digitalisierung in der Intensivmedizin

Mit der Studie wurde der Beweis erbracht, zu welchen Leistungen die Digitalisierung in der Intensivmedizin und Anästhesie imstande ist. Das mobile System sendet noch während der Messung die Vitalwerte von PatientInnen per WLAN an das Leitsystem, wo eine automatisierte Auswertung mit Alarmfunktion erfolgt. Von dort aus schickt das System die Auswertung zurück ans Krankenbett: Auf dem Stationsmonitor werden die Werte automatisch nach Relevanz sortiert. Ein Arzt oder eine Pflegekraft sehen dadurch auf einen Blick, ob es einen hochkritischen Wert gibt. Notwendige Maßnahmen werden dadurch schneller als bisher eingeleitet. Die Leistung von Professor Heller und seinem Team wurde auf der Fachtagung am 9. Mai ausdrücklich gewürdigt. Der Mediziner sei ein bewährter Experte im Bereich der anwendungsorientierten Medizinforschung und leiste seine wissenschaftliche Arbeit in einem breiten Spektrum zwischen Anästhesiologie, Operationen, Intensiv- und Katastrophenmedizin, so die Gründungsdekanin Prof. Dr. Martina Kadmon. Die DGAI gibt es scon seit 1953, ihr Ziel ist die Forschungsarbeit in den genannten Bereichen und auch in der Schmerztherapie. Prof. Dr. Axel Heller (*1969) studierte Humanmedizin und Health Care Management in Heidelberg/Mannheim, Gießen und Dresden, er promovierte 1998 in Gießen. Ab 2016 war er Professor in Dresden, bis er 2018 nach Augsburg berufen wurde. Zur Augsburger Universitätsmedizin gehören mehrere Augsburger Einrichtungen der Universität, des Universitätsklinikums und des Bezirkskrankenhauses. Forschungsschwerpunkte sind Medizinische Informatik, Umwelt und Gesundheit.