Kennst du das auch? Da war ein Student, den du wirklich nicht für die große Leuchte gehalten hast, aber ausgerechnet dieser Kerl legt nun eine super Karriere aufs Parkett. Woran liegt so etwas, fragst du, ohne sonderlich neidisch zu sein. Die Antwort auf diese Frage tendiert in die Richtung, dass hier neben der fachlichen Qualifikation einige andere Charakterzüge, die heute gern auch als Soft Skills bezeichnet werden, eine geradezu ausschlaggebende Rolle spielen, die da wären: 

  • Durchsetzungsfähigkeit
  • Selbstbewusstsein
  • Kontaktfreudigkeit

Dabei ist das eine oft an das andere gekoppelt. Was den Erfolgsmenschen vor allem ausmacht, das ist sein gutes Gespür für Chancen. Anders ausgedrückt: Das Glück ist wie ein scheues Reh, es huscht nur selten, aber sehr schnell an dir vorbei. Wenn du nicht sofort fest und entschlossen zupackst, ist es auch schon wieder weg. 

Wie wichtig ist Talent wirklich?

Diese Frage stellten sich an der sizilianischen Universität von Catania die Physiker Andrea Rapisarda und Alessandro Pluchino sowie der Ökonom Alessio Biondo. Mithilfe einer Simulation bastelten sie eine fiktive Gesellschaft, in der es nur wenige superschlaue, kompetente Personen gab, die Mehrzahl war durchschnittlich intelligent und einige wenige etwas dumm. Jedes halbe Jahr gossen die Wissenschaftler per Zufallsgenerator etwas Glück oder Pech über der Gesellschaft aus. Nach 40 Modell-Jahren wurde Bilanz gezogen: Die wirklich erfolgreichen Exemplare gehörten eher der Durchschnittsliga an, hatten aber besonders viel aus der Glückskanne abbekommen. 

Lässt sich Glück heranziehen?

Der promovierte Physiker Jens Braak beschäftigt sich mit Chaosforschung. Dabei geht es unter anderem um unvorhersagbare, dynamische Systeme. Seit dem Jahre 1992 ist er als Managementberater und Coach für Führungskräfte unterwegs. Seine Personalentwicklungsprogramme und Coachings bestechen durch unkonventionelle Methoden. Eine davon ist die Einbindung des Zufalls in die Entwicklung des Unternehmens, was sich auch auf die Karrieren der Mitarbeiter ausdehnt, obwohl sich die Chance auf einen glücklichen Zufall kaum quantifizieren lässt. Braak verwendet dabei aber einen ganz anderen Ansatz, denn er geht davon aus, dass jeder daran arbeiten kann, das Glück zu sich einzuladen. Allein, man muss sich dabei des Zufalls bewusst sein. 

Jeder ist seines Glückes Schmied

Diese Weisheit ist schon so alt, wozu brauchen wir heute eigentlich Wissenschaftler, um längst Bekanntes zu bestätigen? In der Tat versucht Braak junge Menschen für Altbekanntes aus dem Blickwinkel der modernen Lebenswirklichkeit zu sensibilisieren. Er spielt zum Beispiel darauf an, dass man bei einer Party oder Tagung viele Menschen mehr oder weniger gut kennenlernt. Einige wenige davon, oftmals eher unerwartet, bringen dich weiter, indem sie einen wichtigen Kontakt herstellen, der dich schließlich mit deinem zukünftigen Arbeitgeber verbindet. Ein anderer berichtet vielleicht kurz von seinem Studiengang, den er sehr faszinierend findet, und allein dieses Gespräch stellt die Weiche deines Lebens in eine ganz andere Richtung. Betrachtet man dies nun wieder durch die statistische Brille, lässt sich zusammenfassend sagen, dass jeder Mensch, den du kennenlernst, die Wahrscheinlichkeit auf Glück vergrößert. Wir erinnern uns, zu Beginn war von der Wichtigkeit der Kontaktfreudigkeit schon mal die Rede. 

In der Soziologie hat dieses Phänomen einen Namen: „die Stärke schwacher Beziehungen“. Starke Beziehungen bestehen zwischen Menschen, die sich sehr oft begegnen, zum Beispiel zwischen Verwandten, Freunden und Arbeitskollegen. Sie haben sich aber im Grunde nicht viel Neues zu sagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine flüchtige, neue Bekanntschaft vielleicht sogar ungewollt einen höchst interessanten Hinweis gibt, ist ungleich höher. Tatsächlich ist die einzige Konstante im Leben der Zufall. Ihm wohnen echte Chancen inne, die wir gern liebevoll als Zufallstreffer bezeichnen dürfen. 

Fazit

Erfolg ist oftmals die Folge von Selbstbewusstsein, Durchhaltevermögen und sehr guter Vernetzung. Das Wichtigste ist aber die sogenannte Chancenintelligenz. Darunter ist die Fähigkeit zu verstehen, sich Chancen zu erarbeiten, sie zu erkennen und zu nutzen. Gerade das Studium bietet sehr viele Möglichkeiten in dieser Richtung. Wer zu sehr jeden Verlauf jeden Tages planerisch kontrollieren will, beraubt sich unter Umständen der positiven Macht des Zufalls, der deinen Zug immer wieder auf neue Gleise ins Glück stellt.