Das Computerspiel Starcraft galt bislang als eine der letzten Herausforderungen für die Künstliche Intelligenz. Nun wurde sie geknackt: Eine KI hat bei Starcraft 2 gleich zwei Profi-Spieler geschlagen. Noch vor einem reichlichen Jahr hatte ein menschlicher Spieler gegen die Maschine gewonnen. 

Warum Starcraft?

Dieses Strategiespiel ist sehr komplex, das machte es für die KI schwierig, Menschen zu besiegen. Gleichzeitig ist diese Komplexität der Anspruch, an dem sich Künstliche Intelligenz messen lassen muss. Sie wird dabei immer besser, denn im Schach, im Go und im 3D-Shooter Quake hat sie schon vor längerer Zeit gewonnen.

Doch beim Strategie-Spiel Starcraft, das es immerhin seit 2010 gibt, hatten Menschen bislang die Nase vorn, Ende 2017 gewann der koreanische Profi Song Byung-gu gegen die Maschine. Angetreten waren Bots von drei Forscherteams und von Facebook, darunter ein Bot aus Norwegen, der pro Minute 19.000 Aktionen ausführen konnte. Song Byung-gu war dennoch in 27 Minuten mit allen Bots fertig, sein kürzestes Match entschied er in vier Minuten und 28 Sekunden. Doch nun hat eine Deepmind-KI gewonnen. Der Bot der Google-Schwester heißt “Alphastar” und entschied im Dezember 2018 bei elf Spielen gegen die Profis zehn für sich.

Er hatte allerdings einen gewissen Vorteil: Alphastar konnte das gesamte Spielfeld ständig überblicken, er musste nicht wie ein Mensch der Kamerabewegung folgen. Professionelle Starcraft-Spieler sind natürlich sehr fit in diesen Belangen. Gegen Alphastar traten Grzegorz „Mana“ Komincz und Dario „TLO“ Wünsch an. Dass diese möglicherweise nur wegen des Kameravorteils von Alphastar verloren haben, beweist ein anderer Wettkampf im Januar 2019. Hierbei trat ein Bot an, der wie sein 25-jähriger menschlicher Gegenspieler die Kamera selbst bewegen musste. Im Ergebnis gewann der Mensch. Das Deepmind-Team will jedoch den Sieg seines Bots nicht allein auf das Kameradetail schieben. Die Wissenschaftler sind fest davon überzeugt, dass Alphastar überlegene mikro- und makrostrategische Entscheidungen traf. Dass er schneller klicken kann und das gesamte Spielfeld ständig überblickte, halten sie hingegen nicht für ausschlaggebend. 

Was kommt jetzt bei der KI?

Starcraft 2 mit seiner hohen Komplexität war eine wirklich harte Herausforderung, doch die Forscher peilen schon das nächste Level an.

Bei Starcraft gibt es immer noch festgelegte Spielfelder, Ziele und Regeln. Das wirkliche Leben aber bietet nicht immer diesen Luxus. Hier sind oft Entscheidungen auf der Basis einer unklaren Ausgangsdatenlage zu treffen, wodurch wir Menschen uns höchsten mehr optimal, aber niemals perfekt entscheiden können. Das sollen KI-Anwendungen nun auch lernen, um uns in der realen Welt noch größeren Nutzen zu bringen. Welche Aufgaben man dabei durch Bots lösen lassen wird, ist bislang noch nicht ganz klar.

Das Deepmind-Team ist auch mit dem bisherigen Ergebnis schon sehr zufrieden. Die Entwickler legten nach dem Sieg von Alphastar überzeugend dar, dass dessen neuronales Netz wirklich sehr lange Sequenzen von möglichen Aktionen modellierte, obgleich seine Datenbasis ebenfalls aus imperfekten Informationen bestand. Vielleicht, so die Forscher, könnte KI schon heute bessere Wettervorhersagen liefern als der Mensch.