Wie du sicherlich weißt, entstehen Fetische und Suchtkrankheiten im Gehirn – oft sind sie für die Betroffenen lästig und werden aus Scham vor dem eigenen Umfeld versteckt. Nicht selten reagiert dieses mit Ablehnung, Verachtung oder Spott, falls jemand offen zu seiner Neigung oder Sucht steht.

Umso nahe liegender also, dass Betroffene ihre Besessenheit loswerden möchten. Dass dabei keine Dämonenaustreibung aus dem Mittelalter, sondern handfeste Hilfe gefragt ist, liegt ebenso nahe. Glücklicherweise gibt es neue Erkenntnisse aus der Hirnforschung, die betroffenen Personen ein neuer Wegweiser sein könnten. Das Zauberwort heißt dabei „Neuroplastizität“.

Neuroplastizität als Geheimwaffe

Um die Funktionsweise der Neuroplastizität zu verstehen, muss man sie auf die molekulare bzw. zelluläre Struktur unseres Gehirns herunterbrechen. In deinem Gehirn befinden sich nämlich Synapsen, die „Pfade“ ausgebildet haben – das sind Kommunikationswege, die das Gehirn nutzt, um Botschaften zu übermitteln. Diese werden mittels elektrischer Signale an den Synapsen weitergegeben.

Was bedeutet nun Neuroplastizität? Forscher haben herausgefunden, dass diese neuronalen Netzwerke in der Lage sind, sich neu zu organisieren – wenn beispielsweise ein Lerneffekt erfolgt ist oder Verhaltensänderungen zur Gewohnheit geworden sind. In diesem Fall bildet das Gehirn neue neuronale Netzwerke aus, die ab sofort genutzt werden können. Die Fähigkeit des Gehirns, sich auf dieser Ebene selbst zu ändern, wird als Neuroplastizität bezeichnet. Im übertragenen Sinne bedeutet das: Wäre dein Gehirn eine Autobahn, wäre es fähig, neue Ausfahrten, Zubringer und Straßen auszubilden. Die Autos, die sich darauf bewegen, könnten neue Routen fahren – von denen manche vielleicht sogar besser wären, als die alte, schon vorhandene Autobahn.

Wie du Neuroplastizität geschickt nutzen kannst

Wenn deinem Gehirn also ein Fetisch oder eine Suchtkrankheit inne wohnt, kannst du dank Neuroplastizität erfolgreich dagegen ankämpfen. Es muss auf neuronaler Ebene nur „umgepolt“ werden – wer also aus einer bestimmten Sache oder einem bestimmten Stoff enorme Befriedigung oder Glücksgefühle zieht, muss lediglich etwas anderes finden, was für ein vergleichbares Hochgefühl sorgt. Ein einfaches Beispiel aus dem Alltag ist dabei ein Lackfetisch: nicht jeder Sexualpartner steht auf Lack und möchte sich, wenn es um das Liebesspiel geht, ständig in Lack und Lecker schmeißen müssen, um bei der betroffenen Person einen sexuellen Reiz zu verursachen. Stattdessen kann süße Baumwollunterwäsche genommen und mit einem intensiven, verführerischen Duft eingesprüht werden. Die betroffene Person soll daran riechen und sich auf das Gefühl einlassen, den Sexualpartner (egal ob Frau oder Mann) in natürlicher Kleidung zu fühlen. Am Anfang wird dies natürlich keinen Reiz ausüben, mit einigen Wiederholungen jedoch wird der Fetisch langsam abgelegt werden und durch neue, gesunde Reize ersetzt – welche z. B. der verführerische Duft der anderen Kleidung, das Gefühl der warmen Haut kombiniert mit durchlässigen Baumwollstoff oder schlichtweg die sanfte Stimme des Sexualpartners sein können, wenn er/sie zum Liebesspiel auffordert.

Im Gehirn sorgt die Neuroplastizität dafür, dass Schritt für Schritt neue Pfade ausgebildet werden und das alte Verhalten abgelegt werden kann. Das Gleiche funktioniert übrigens, sehr zur Freude aller figurbewussten Schoko-Fans, auch für Schokolade!