Es gab schon immer Hobby-Astronomen und es gibt sie nach wie vor. Sie werden teilweise belächelt, aber in Wahrheit leisten sie einen ernsthaften Beitrag zur Erforschung des Weltalls. Wenn sie einen Himmelskörper finden, dürfen sie ihm einen Namen geben.

Was machen Hobby-Astronomen?

Sie gehen im Grunde der finanzierten, professionellen Astronomie zur Hand. Hobby-Astronomen kartieren Galaxien, entdecken manchmal sogar Asteroiden und spüren Meteoritenschwärme auf. Einer von ihnen ist der Deutsche Erwin Schwab, sein astronomischer Arbeitsplatz ist das Teleskop der Sternwarte „Hans Ludwig Neumann” auf dem Kleinen Feldberg im hessischen Taunus. Schwab hat sich unter anderem auf Kleinplaneten spezialisiert, um die sich seine Profi-Kollegen zu wenig kümmern. Diese gibt es in unserem Sonnensystem, sie haben mehrere Kilometer Durchmesser und ähneln daher großen Asteroiden, kreisen aber strikt um unsere Sonne und haben daher den astronomischen Status eines Planeten. Einige von ihnen kommen sogar gelegentlich der Erde gefährlich nahe. Schwab hat seit 1998 schon 86 verschiedene Himmelskörper entdeckt, davon taufte er 31 Kleinplaneten mit so fantasievollen Namen wie “Skywalker“ und “Tatooine“, die Star-Wars-Fans natürlich geläufig sind (Tatooine ist selbst ein Planet und die Heimat von Skywalker). Schwab forscht hauptberuflich übrigens an Schwerionen, ist also mit dem Mikrokosmos befasst. Vielleicht richtet er deshalb gern seinen Blick in den Himmel.

Wer darf am Teleskop in die Sterne gucken?

Nicht jedermann, dem es mal eben einfällt, hat Zutritt zu einem richtigen Teleskop. In die Sternwarte auf dem Kleinen Feldberg dürfen neben Profis nur Mitglieder des Frankfurter Physikalischen Vereins. Dieser beschäftigt sich auch mit Astronomie und versammelt die Hobby-Astronomen bei sich, für die es auch die deutschlandweite “Vereinigung der Sternfreunde e.V.” gibt. Deren Vorsitzender Sven Melchert verweist darauf, dass die Beobachtungen von Amateur-Astronomen prinzipiell gleichrangig mit denen der Profis sind, wenn sie anerkannt werden. Profis haben nur mehr Zeit und Forschungskapazität, natürlich verfügen sie in Teilen auch über mehr Know-how. Doch dieses findet sich auch in beträchtlichem Umfang bei den Amateuren. Sie entdeckten in früheren Zeiten fast ein Fünftel aller neuen Himmelskörper, noch 1997 lag ihr Entdeckeranteil bei 17,1 %. Danach zog die jüngste Technik in die Sternenwarten ein, Profis scannen heute den Himmel automatisch. Das gute alte optische Teleskop leistet längst nicht mehr den großen Anteil an den Entdeckungen wie noch vor Jahrzehnten. Daher sank auch der Entdeckeranteil der Hobby-Astronomen auf mittlerweile 1,6 % (Stand 2017), wie das Minor Planet Center meldete. Immerhin jagen in Deutschland allein 50 dieser Amateure den Kleinplaneten hinterher. Sie werden, wenn sie in einem Verein ordentlich organisiert sind, von den rund 200 deutschen Sternwarten gern unterstützt. Diese haben nämlich Nachwuchsprobleme. Die Jugendlichen interessieren sich zwar zeitweilig brennend für die Sterne, doch bei den meisten von ihnen flaut das Interesse irgendwann ab.

Wertvolle Hilfe von Hobby-Astronomen

Der Berufs-Astronom Axel Quetz (Max-Planck-Institut, Heidelberg) schreibt den Amateuren viel wertvolle Hilfe zu. So seien ihre Beobachtungen von veränderlichen Sternen und ihre Suche nach Meteoriten nach wie vor höchst bedeutsam, so Quetz. Die Profis suchen zum Beispiel fast nie nach Meteoriten, sie haben dafür keine Zeit. Amateure verfolgen nicht nur ihre Bahn am Himmel, sie sammeln auch ihre Reste von Feld- und Waldböden auf. Das ist für die mineralogische Erforschung unseres Sonnensystems sehr bedeutsam.