Wenn du an Lysergsäurediethylamid, kurz LSD, denkst, hast du vermutlich Bilder wilder Partys im Kopf, bei denen sich Menschen mit der gefährlichen Substanz zu dröhnen. Damit tust du dem chemisch hergestellten Derivat aber Unrecht. Für die Medizin ist die Forschung mit LSD nämlich höchst interessant.

Ein zufälliger Rausch

Der wohl erste LSD-Trip überhaupt fand noch nicht mal beim Feiern statt, sondern geschah rein zufällig. Im April 1943 räumte Albert Hofmann sein Labor bei dem Pharmaunternehmen Sandoz auf, um ins Wochenende zu gehen. Bei seiner Forschung nach einem Mittel zur Kreislaufstabilisierung kam offenbar auch LSD zum Einsatz, mit welchem er an diesem geschichtsträchtigen Freitag in Berührung kam. Was folgte, war ein drei- bis vierstündiger Rausch. Da sich Hofmann während seines Rausches so gut fühlte, setzte sein Arbeitgeber die Substanz für die Entwicklung eines Medikamentes ein, um Blockaden bei psychisch Kranken zu lösen. Auch bei der Behandlung von Alkoholikern, Traumata oder Schizophrenie wurde es eingesetzt. Erst in den 1960ern wurde es von der Hippie Bewegung als Rauschmitteln entdeckt.

Missbrauch führt zu Verbot

Nachdem immer mehr Konsumenten Horrortrips erlebten oder unter dem Einfluss der Droge Verbrechen begannen, wurde LSD schließlich weltweit verboten. Erst in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren interessierte sich die Forschung wieder für die möglichen positiven Auswirkungen des LSD. So durfte der Schweizer Psychiater Peter Gasser 2007 dank einer Ausnahmegenehmigung die Wirkung von LSD auf Menschen mit tödlichen Erkrankungen wie Krebs untersuchen.

LSD und die Hirnforschung

Da die Wissenschaft festgestellt hat, dass sich LSD an Serotonin-Rezeptoren bindet, eignet es sich perfekt dazu, zu untersuchen, wo im Gehirn Serotonin ist und wie es wirkt. Serotonin ist ein Botenstoff, mit dem dein Gehirn über Neurotransmitter kommunizieren kann. Depressionen werden oft durch ein Serotonin Ungleichgewicht im Gehirn ausgelöst. Untersuchungen mit LSD könnten also dabei helfen, Depressionen effektiver zu bekämpfen. Dies ist aber nur einer von vielen Aspekten – das menschliche Bewusstsein ist bisher noch sehr wenig erforscht. Obwohl es ein so interessantes und wichtiges Thema ist, weiß die Wissenschaft nur sehr wenig darüber, wie es funktioniert, was es ausmacht.

Starke Nebenwirkungen, starke Chancen

Nur wenige Substanzen haben so starken Einfluss auf dein Gehirn wie LSD. Es gibt Menschen, die die Droge nur einmal genommen haben, doch dieses eine Mal hat gereicht, um ihr Verhalten langfristig zu verändern. Wenn die Forscher herausfinden können, was genau im Gehirn bei der Einnahme von LSD passiert, könnte man auf diesem Wissen aufbauen und neue Medikamente entwickeln. Da aber die Nebenwirkungen von LSD so schwerwiegend sind, steht der Wissenschaft noch ein weiter Weg bevor. Es gibt noch viele Unklarheiten, die beseitigt werden müssen, bevor das zweifellos vorhandene Potential ausgeschöpft werden kann.