Der chinesische Forscher He Jiankui behauptet, Embryonen gentechnisch verändert zu haben. Mittels der CRISPR/Cas-Methode sollen die Gene zweier weiblicher Babys um HIV-Erbgut bereinigt worden sein. Wissenschaftler aus aller Welt kritisieren den Einsatz des Verfahrens.

DNA-Veränderung an Embryonen

Wenn der Mensch in die Natur eingreift, spielt er Gott. Vor allem Veränderungen am Erbgut werden skeptisch gesehen. Das dafür notwendige Verfahren ist zwar bereits vorhanden, wurde bislang jedoch nicht hinlänglich geprüft. Gefahren wie die dauerhafte Zerstörung von Genen und gesundheitliche Risiken wie Krebs stehen neben moralischen Bedenken, wenn menschliches Leben nach Belieben modifiziert wird. Beides soll der chinesische Forscher He Jiankui ignoriert haben, als er die Genmanipulation von zwei Embryonen veranlasste, um diese von dem HIV-Erbgut ihres biologischen Vaters zu befreien.

Die Genmanipulation soll mit dem Verfahren Crispr/Cas9 durchgeführt worden sein, welches im Jahr 2012 erstmals öffentlich beschrieben wurde. Die biochemische Methode ist in der Lage, DNA gezielt zu verändern und beispielsweise Gene zu entfernen oder auszuschalten. Im Falle der Versuche von He Jiankui sollen mittels des Verfahrens HIV-Gene ausgeschaltet worden sein. Andere Wissenschaftler zweifeln die Schilderungen des Arztes jedoch an.

Universität distanziert sich von Gen-Forschern

Nach der Veröffentlichung der umstrittenen Gen-Experimente distanzierte sich die Universität in Shenzen, an welcher der Wissenschaftler tätig ist, von den Versuchen. Auch die Harmonicare-Frauen- und Kinderklinik in Shenzhen meldete sich zu Wort und stritt eine Beteiligung an den Versuchen ab. Zudem sei ein wichtiges Dokument, welches die Einhaltung ethischer Standards garantiere, gefälscht worden. Chinas Regierung forderte die Provinz Guangdong, wo He Jiankui aktiv ist, zu einer sofortigen Untersuchung auf. Die Nationale Gesundheitskommission in Peking teilte mit, dass man den Fall im Hinblick auf die aktuelle Gesetzeslage untersuchen werde.

Kritik kam auch aus der Genforschung selbst. Mehr als 120 Wissenschaftler haben gemeinsam ein Schreiben veröffentlicht, indem sie den Vorfall massiv kritisieren und die Versuche als „verrückt“ bezeichnen. Beweise für die Behauptungen des Gen-Forschers wurden bislang jedoch nicht vorgelegt.

Die CRISPR/Cas-Methode

Die CRISPR/Cas-Methode (von engl. Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) wurde von den Forschern Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna erstmals im Jahr 2012 genauer beschrieben. Vereinfacht gesagt, hängt sich bei der Anwendung die CRISPR-RNA an das Protein Cas9, welches in der Lage ist, DNA zu zerschneiden. Dieser Umstand lässt sich gezielt manipulieren, um die Genschere an beliebigen Stellen einzusetzen. Weil CRISPR-RNA im Labor hergestellt werden kann – etwa mittels Kopien menschlicher Erbgutabschnitte – ist eine günstige und präzise Anwendung möglich.

Das Verfahren kann beispielsweise in der Pflanzenzüchtung und bei der Bekämpfung von Insekten eingesetzt werden. Die Anwendungen beschränkten sich bislang also auf nicht-menschliches Leben. Die notwendigen ethischen und medizinischen Voraussetzungen, um die Methode beim Menschen einzusetzen, sind aktuell nicht gegeben. Auch deshalb steht der Alleingang von He Jiankui in der Kritik und der Vorfall wird nicht nur intensiv diskutiert, sondern inzwischen auch polizeilich untersucht.