Dass in früheren Zeiten riesige Tiere auf unserem Planeten lebten, ist keine Neuigkeit. Doch Wissenschaftler aus Neuseeland haben nun erstmals auch Fossilien von einem gigantischen Papagei gefunden, der vor 16 bis 19 Millionen Jahren gelebt hat und vermutlich rund einen Meter groß war.

Was haben die Forscher entdeckt?

Leider bestehen die Hinweise auf den Riesen-Papagei nur aus zwei Knochen, die noch dazu nicht vollständig vorliegen. Für die Wissenschaftler bieten sie jedoch genug Anhaltspunkte, um verschiedene Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.

Bei den Funden handelt es sich um dem rechten und linken Unterschenkelknochen eines Papageien, der keiner bisher bekannten Art zugeordnet werden kann. Dieser Knochen wird als Tibiotarsus bezeichnet und entspricht etwa dem Schienbein und den obersten Fußwurzelknochen bei anderen Tieren. Trevor H. Worthy, Suzanne J. Hand, Michael Archer, R. Paul Scofield und Vanesa L. De Pietri vermuten in ihrem Fachartikel, dass beide Knochenfunde von demselben Individuum stammen.

Wie sah der Riesen-Papagei vermutlich aus?

Der große Papagei wog den Forschern zufolge wahrscheinlich rund sieben Kilogramm, was für einen Vogel ein stolzes Gewicht darstellt. Zum Vergleich: Der weithin bekannte Hellrote Ara (Ara macao), der ebenfalls zu den Papageien gehört, wiegt beispielsweise nur bis zu einem Kilogramm. Der zweitschwerste Papagei nach dem neu entdeckten Giganten wiegt drei Kilogramm. Dabei handelt es sich um den Kakapo (Strigops habroptila), der zu den Eulenpapageien gehört.

Wegen ihrer Größe und Masse gaben Trevor H. Worthy und die anderen Forscher der neu entdeckten Art den Namen Heracles inexpectatus. Die lateinische Bezeichnung bedeutet so viel wie „der unerwartete Herakles“. Herakles war in der griechisch-römischen Mythologie ein Halbgott, der über eine übermenschliche Körperkraft verfügte.

Woher wissen die Forscher, wie groß der Papagei war?

Einen ersten Anhaltspunkt für die wahrscheinlichem Körpermaße des gigantischen Papageien liefert die Größe der Fossilien. Anhand der Abmessungen der Knochen können Wissenschaftler auf die Größe schließen, da alle Papageien einen sehr ähnlichen Körperbau besitzen. Ein weiterer Beleg für die Masse des Herakles-Papageien ist, dass die Knochen robuster sind als bei Papageienarten, die zum Vergleich herangezogen werden können.

Vom Boden bis zum Kopf war der Herakles-Papagei mutmaßlich einen Meter groß. Bei einem solch wuchtigen Körperbau überrascht es dich wahrscheinlich nicht, dass der Herakles-Papagei wahrscheinlich nicht flugfähig war. Andere flugunfähige Vögel wie der Afrikanische Strauß (Struthio camelus) können allerdings noch größer werden: Männliche Strauße erreichen eine Körperhöhe von bis zu 2,5 Metern. Lebende und ausgestorbene Vögel, die nicht fliegen können, sind auf Inseln wie Neuseeland keine Seltenheit, wie Trevor H. Worthy und seine Kollegen in ihrem Fachartikel schreiben. Der Gigantismus ist ebenfalls typisch für die Evolution auf Inseln.

Trotz der spannenden Fossilienfunde sind noch viele Fragen offen. Zum Beispiel sind sich die Wissenschaftler noch nicht sicher, zu welcher Papageienfamilie das Schwergewicht gehörte. Darüber hinaus ist nichts über seine Lebensweise bekannt. Es bleibt also spannend.