Rund dreißig Prozent der Erdoberfläche bestehen aus Halb- oder Randwüste, aridem Boden, der gerade noch das Weiden und den Getreideanbau in beschränktem Umfang erlaubt. Die empfindliche Ökologie dieser trockenen Gebiete ist leicht durch Klimaveränderung und Übernutzung zu zerstören. Mit erschreckender Geschwindigkeit kann sich arides Land aus einer nutzbaren Halbwüste in eine öde Vollwüste verwandeln.

Dieser Vorgang, Desertifikation genannt, bedroht etwa vierzig Prozent der warmen und trockenen Gebiete der Erdoberfläche, darunter große Teile Amerikas.

Land zu Sand

In den Jahren 1968 bis 1974 verwüstete eine Trockenperiode die Halbwüstenregion Sahel im Süden der Sahara. Der Dürre fielen 200.000 Menschen und Millionen von Tieren zum Opfer. In der Sahelzone leben seit Jahrhunderten Hirten und Bauern. Die spärlichen Regenfälle und das Grundwasser reichten für den Anbau, und die Tiere konnten sich ernähren von den Pflanzen, die auf dem trockenen Boden gediehen. Als die Niederschläge ausblieben, breitete sich die Sahara aus.

Der beklagenswerte Zustand rief die Vereinten Nationen auf den Plan, die Ursachen der Desertifikation zu analysieren und Lösungen zu finden. Die Erkenntnis war, dass Trockenheit und Klimawechsel nur eine Ursache bilden. Schwerwiegender sind die Einwirkungen durch die Menschen.
Die Halbwüste kann Menschen in guten und schlechten Zeiten ernähren, falls das labile Gleichgewicht zwischen Bodenbeschaffenheit, natürlicher Vegetation und begrenzten Wasservorräten respektiert wird. Bei Überweidung gedeihen die Pflanzen im folgenden Jahr nicht, und wenn zu viel Holz für Brennstoff gesammelt wird, sterben unter Umständen die Bäume ab. Ohne die Wurzeln von Gräsern und Büschen trocknet der Mutterboden aus und wird anfällig gegen Winderosion. Er kann keine Feuchtigkeit mehr speichern. 

Eine Halbwüste hat zwar wenig Wasser, was Probleme verursacht, die aber lösbar sind. Dort, wo Bauern das Land bewässern, kann die durch Sonnenhitze verursachte Verdunstung in Verbindung mit einem schlechten Bewässerungssystem die Bildung salziger Rückstände begünstigen, bis der Boden vergiftet ist. Jahr für Jahr gehen auf diese Weise große Flächen verloren.

Ist der Boden erst zerstört, können selbst Regenfälle zur Bedrohung werden. Regen fällt mitunter heftig an bestimmten Stellen in Wüsten und Halbwüsten. Solche Regengüsse können zu Sturzbächen führen, die tiefe Rinnen einschneiden und den losen Boden wegspülen.

Die in Trockengebieten lebenden Menschen haben gelernt, wie sie Dürreperioden überleben. Wenn aber neue Umstände alte Beziehungen zwischen Menschen und Land zerstören, entstehen Krisen. Verbesserte Medikamente und Ernährung haben zur Vermehrung der Bevölkerung beigetragen, eine weitere Belastung für den Boden. In guten Jahren mögen die Bauern ihre Herden vergrößern und den Anbau intensivieren. Doch bei einer Trockenperiode werden die Nahrungsmittel knapp, und die Bauern sind gezwungen, ein erhöhtes Risiko mit dem sensiblen Land einzugehen. Die Folge sind eine Verschlechterung des Bodens, Hungersnot, sozialer Zusammenbruch und sogar Bürgerkrieg. 

Perspektiven

Die Diversifikation ist ein hartnäckiger Widersacher, der Vorteile aus Trockenperioden zieht und den landwirtschaftlichen Missbrauch ausnutzt. Hat die Wüste aber die Oberhand gewonnen, ist es sehr schwer, den Prozess rückgängig zu machen.

Solch eine Umkehr wäre in vielen Gegenden der Welt dringend nötig, zum Beispiel in Senegal, Westafrika, wo Desertifikation die Landwirtschaft und sogar Städte bedroht. Angesichts der Gefahr haben die Vereinten Nationen ihren Kampf gegen die Ausbreitung der Wüsten verstärkt und eine neue Initiative gestartet mit dem Ziel, die komplexe Beziehung zwischen Klimamustern, Boden, Wasser, Ökologie und Sozialstrukturen von Trockengebieten zu untersuchen. 

Die erste Maßnahme besteht darin, alles angrenzende Land vor Übernutzung zu bewahren. Überweiden, Abholzen und die Ausbeutung von urbarem Land und Wasserquellen müssen rigoros kontrolliert werden. Am Rand einer Wüste sind trockenresistente Gräser, Büsche und Bäume anzupflanzen. Ihre Wurzeln helfen, den Boden zu stabilisieren und die Feuchtigkeit zu speichern. Dadurch wird verhindert, dass sich der trockene Mutterboden in Flugsand verwandelt.