70 bis 80 Mädchen kommen in Deutschland jährlich mit genitalen Fehlbildungen zur Welt. Bislang war es für diese Personen nicht möglich, ein Kind zu gebären. Mit einer Gebärmuttertransplantation könnte sich dies künftig ändern.

Allerdings müssen auch die ethischen Aspekte eines solchen Eingriffs berücksichtigt werden. In Tübingen wurden jüngst zwei Kinder von Müttern mit gespendeter Gebärmutter geboren.

Gebärmuttertransplantation bei seltenen Krankheiten möglich

2016 wurde im Tübinger Universitätsklinikum erstmalig in Deutschland eine Gebärmutter transplantiert. Nun sind die ersten beiden Kinder aus einer transplantierten Gebärmutter zur Welt gekommen. Nachdem bei den beiden Patientinnen im vergangenen Jahr bereits die Transplantation erfolgreich absolviert wurde, folgte im Mai die Geburt der gesunden Kinder. Das neue medizinische Verfahren kommt insbesondere für Menschen mit seltenen Erkrankungen infrage.

Für die beiden jungen Mütter war die Gebärmuttertransplantation die einzige Möglichkeit, ein Kind zu gebären. Die Patientinnen leiden am sogenannten Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom, bei dem die wichtigen Geschlechtsmerkmale fehlen – in diesem Fall Vagina und Gebärmutter. Während im Falle der Patientinnen die Vagina bereits im Jugendalter angelegt wurde, konnte die Gebärmutter erst bei einem tatsächlichen Kinderwunsch transplantiert werden. In beiden Fällen war jeweils die Mutter der Patientin die Organspenderin.

Erste erfolgreiche Gebärmuttertransplantationen

Der Eingriff selbst gestaltet sich komplex. Zunächst findet die Entnahme der Gebärmutter von der Spenderin statt, bevor das Einsetzen im Körper der Empfängerin folgt. Nach dem Eingriff müssen die Patientinnen spezielle Medikamente einnehmen, damit der Körper die Gebärmutter nicht abstößt. Anschließend folgt eine Wartezeit von einem Jahr, in dem die Organfunktion überwacht wird. Erst dann erfolgt die Implementierung von im Reagenzglas gezeugten Embryonen. Die Geburt findet, wie bei Eingriffen dieser Art üblich, per Kaiserschnitt statt und stellt für die Patientinnen eine erhebliche Belastung dar. Die Frauen können mit ihrer Gebärmutter allerdings problemlos noch ein zweites Kind bekommen, so die Ärzte am Klinikum Tübingen.

Ethische Frage der Gebärmuttertransplantation

Eine Kritikerin der Gebärmuttertransplantation ist Claudia Bozzaro vom Institut für Ethik und Geschichte der Medizin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Eine Transplantation der Gebärmutter sei nicht verhältnismäßig und stelle für die Spenderin ein großes Risiko dar, ohne einen gesundheitlichen Mehrwert zu bieten, so Bozzaro. Der Ethik-Rat steht Lebendspenden generell kritisch gegenüber – auch, weil in der Vergangenheit bereits Gebärmuttertransplantationen gescheitert sind.

Erfolgreiche und gescheiterte Transplantationen

In Tübingen wurden zwei gesunde Säuglinge geboren, nachdem den Müttern eine Gebärmutter eingesetzt wurde. Mehr als 14 medizinische Experten aus 18 Abteilungen waren an der Transplantation beteiligt. Die Kosten liegen laut Klinikum unter 50.000 Euro und wurden von den Krankenkassen der beiden Patientinnen übernommen. Ziel des Eingriffs war es auch, die Frage der Kostenübernahme zu klären und eine Grundlage für die rasch voranschreitenden medizinischen Erfolge zu schaffen. 
Weltweit das erste Spenderkind wurde im Jahr 2014 im schwedischen Göteburg geboren. Inzwischen sind bereits 17 Kinder nach einer Gebärmuttertransplantation geboren worden. Bis auf einen Fall in Brasilien handelte es sich bei den Spenderinnen immer um eine noch lebende Person. In Tübingen wurden bislang vier Uterus-Transplantationen durchgeführt. Zwei davon führten zur Geburt eines Kindes und eine dritte Geburt steht noch aus. Die vierte Transplantation scheiterte, da das Organ nicht erfolgreich eingesetzt werden konnte.