Wageningen ist eine Kleinstadt nahe eines Seitenarms des Rheins und befindet sich circa 50 Kilometer östlich von Utrecht. Laut „QS World University Ranking“ liegt dort die weltweit beste Landwirtschaftsuniversität, die „Wageningen University & Research“. Mit 5.000 Angestellten und 11.000 Studierenden wird dort an der menschlichen Ernährungsweise von morgen geforscht.

Die Lage ist ernst

In 30 Jahren wird unser Planet 10 Milliarden Menschen beherbergen, das ist gegenüber heute eine Steigerung von ungefähr 30 Prozent. Parallel dazu werden die landwirtschaftlichen Anbauflächen immer kleiner. Der fortschreitende Klimawandel führt zu immer ausgedehnteren Überschwemmungen oder Dürreperioden. Rein statistisch steht das Ergebnis fest, dass wir in den kommenden 40 Jahren ebenso viele Nahrungsmittel produzieren werden müssen, wie die Menschheit seit den letzten 8000 Jahren produziert hat.

Ist das überhaupt möglich?

Die relativ kleinen und dicht besiedelten Niederlande haben schon heute eine sehr produktive Landwirtschaft. Im Jahre 2017 wurden von hier aus landwirtschaftliche Produkte mit einem Gesamtwert von fast 92 Milliarden Euro exportiert. Zum Vergleich: Die USA exportierten im gleichen Zeitraum landwirtschaftliche Erzeugnisse im Wert von gut 120 Milliarden Euro, sind aber 217-mal größer als die Niederlande.

Dabei gehen die niederländischen Gewächshaustomaten mit Wasser sehr sparsam um. Während diese für die Produktion von einem Kilogramm Gemüse neun Liter Wasser verbrauchen, liegt der globale Durchschnittswert für das gleiche Unterfangen bei 214 Litern. Zugleich haben es die Niederlande in den letzten Jahren geschafft, beim Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden mehr als eine Halbierung zu erreichen. Wenn es die ganze Welt nun schaffen könnte, so zu werden, wie die Niederlande jetzt sind, dann kann die obige Frage mit JA beantwortet werden.

Wie man mehr mit weniger Aufwand produzieren kann, sieht man hier beispielhaft verwirklicht in einem abgedunkelten Container, in dem bei konstant 22 Grad Celsius rote und blaue LED-Lampen leuchten. Darin wachsen Pflanzen auf drei Ebenen in Lehmsubstraten. Diese Art des optimierten „Vertical Farming“ ist das Zukunftsmodell und in jeder Stadt realisierbar, indem kleine, erdlose Felder unter künstlichem Licht übereinandergestapelt und mit Nährstoff angereichertem Wasser versorgt werden.

Die Mischung macht’s

Die Experimente weisen darauf hin, dass bei circa 90 Prozent Rotanteil im Licht und nur zehn Prozent kurzwelligeren Blauanteilen das Pflanzenwachstum besonders effizient ist. Im Ergebnis kann auf diese Weise ganzjährig bei gleichbleibender Qualität produziert werden. Die Wasserersparnis ist übrigens auch deshalb möglich, weil hier selbst das auf den Pflanzen verdunstende Wasser aufgefangen und erneut verwendet wird. Da die Pflanzen total abgeschottet von der Umwelt gedeihen, ist jeglicher Pestizid-Einsatz völlig überflüssig. Die Energieversorgung ist hierbei allerdings bis zu dreimal kostenintensiver als bei herkömmlichen Gewächshäusern.

Die Banane ist ein Grundnahrungsmittel

Fast jede Banane, die man in den europäischen Supermärkten kaufen kann, gehört der Sorte „Cavendish“ an, die sich dadurch auszeichnet, dass sie nur mit endlosen Pestizidgaben gegen Krankheiten zu schützen ist. Auf den Bananenplantagen in Costa Rica beispielsweise werden ungefähr 45 Kilogramm Pestizide pro Jahr und Hektar versprüht. Als sogenannte Kochbanane ist diese Frucht eine der wichtigsten Nahrungsquellen, insbesondere in Asien, Lateinamerika und Afrika. Gerade in Kamerun, Uganda und Ruanda werden pro Einwohner circa 200 Kilogramm im Jahr davon gegessen.

Fast alle Bananenpflanzen in Wageningen sind in der Tat durch die schlimmsten Erreger wie den TR4, eine Variante der Panama-Krankheit, infiziert. Seine Sporen können tief im Boden Jahrzehnte lang überleben. Nur Lateinamerika ist bislang noch davon verschont geblieben. In Wageningen werden nun gezielt neue, gegen diese Keime resistente Bananensorten gezüchtet. Da das Pflanzenwachstum selbst die Geschwindigkeit der Experimentserien regelt, wird es wohl noch zehn Jahre dauern, bis die ersten resistenten Bananen auf den Markt kommen.