Wenn sich Blutgerinnsel in den Arterien des Gehirns bilden, kommt es zum gefürchteten Schlaganfall. Gäbe es eine Methode, die diese Ursache verlässlich eindämmt, dann wäre dies ein medizinischer Durchbruch.

Endlich kann der Konjunktiv in der Formulierung weggelassen werden, denn der Direktor von der „Klinik für Radiologie und Neuradiologie“ am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Olav Jansen hat eine bahnbrechende Methode entwickelt, die genau dies leistet: den „Stent Retriever“. Damit lassen sich Gerinnsel auf einfache Weise aus dem Gehirn entfernen. Diese neue und vielversprechende Methode hat sich innerhalb der medizinischen Fachwelt wie ein Lauffeuer verbreitet. So wird das Verfahren auch sehr erfolgreich an vielen großen Kliniken in Deutschland angewandt.

Jedes Jahr sind hierzulande ungefähr 250.000 Menschen von einem Schlaganfall betroffen. Dies äußert sich meistens durch:

  • Verlust der Sprechfähigkeit
  • Massive Sehstörungen
  • Verwirrtheit
  • Taubheitsgefühle, zum Beispiel einseitige Lähmungen

Mit jeder Sekunde werden im Gehirn mehr Zellen unwiederbringlich zerstört. Von denjenigen, die den Schlaganfall überleben, bleiben in etwa 33 Prozent der Patienten dauerhaft behindert.

Ein revolutionärer Durchbruch nach langer Forschungsarbeit

Professor Dr. Olav Jansen erforscht seit 25 Jahren an der Klinik für Radiologie und Neuradiologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein an der Minderung von Schlaganfall-Folgeschäden. Nun hat er einen gangbaren Weg für eine bessere und zugleich schnellere Genesung nach einem so einschneidenden Ereignis gefunden. Dazu wurden gleich zwei Studien angefertigt, die im Jahre 2015 in dem renommierten NEJM („New England Journal of Medicine“) veröffentlicht wurden. Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass diese Art der endovaskulären Therapie eine große Zahl von Schlaganfallpatienten vor irreversiblen Behinderungen bewahrt hat. Großen Zuspruch und Beifall erhielt die neue Methode auch von Professor Hans-Christoph Diener, dem Sprecher der DGN („Deutsche Gesellschaft für Neurologie“).

Auch eine große Hoffnung für die schweren Fälle

Um verstopfte Gefäße wieder durchgängig zu machen, werden normalerweise bestimmte Medikamente zur Blutverdünnung eingesetzt. Wenn aber große Blutgefäße, die umfangreiche Hirnareale versorgen sollen, betroffen sind, reicht die Thrombolyse oftmals nicht aus, da sie zu langsam ist. Die Entwicklung der Katheter-Systeme ist auf jeden Fall als wichtiger technischer Fortschritt zu werten. Damit gelang es, eine Thrombektomie durchzuführen, so wird es ja auch in der Kardiologie gemacht. Bei besonders großen Schlagadern zur Versorgung des vorderen Hirnkreislaufs kann der zusätzliche Stent Retriever ganz entscheidend unterstützen. Das Verfahren ist daher speziell für Patienten geeignet, bei denen große Hirngefäße verstopft sind, was bedeutet, dass gerade diesen Menschen schwerste Behinderungen drohen.

Mithilfe eines Stent Retrievers, den man sich als dünnen Schlauch mit einem Durchmesser von nur einem Millimeter und circa 1,50 Meter Länge vorstellen kann, wird ein Gerinnsel aus dem Gehirn entfernt. Dabei schiebt der Arzt diesen Spezialkatheter immer weiter vor, bis in das Gefäß mit der verschlossenen Stelle. Dort wird dann eine Art Netz entfaltet mit der Maßgabe, dass sich das Blutgerinnsel darin verfängt. Anschließend braucht der Arzt den Stent Retriever nur noch vorsichtig zurückziehen. So schnell und einfach ist das Gerinnsel zu entfernen, das Blut kann wieder ungehindert fließen. Durch diesen 30- bis 45-minütigen Eingriff können sogar Patienten mit einem sehr schweren Schlaganfall nahezu vollständig geheilt werden.

Dieses neuartige Thrombektomie-Verfahren wurde wegen der überzeugenden Ergebnisse bereits in die „Europäischen Leitlinien zur Schlaganfalltherapie“ aufgenommen. Der Eingriff ist zwar nicht ganz billig, allein so ein Stent Retriever schlägt mit circa 3.000 Euro zu Buche, aber der Gewinn für alle Beteiligten, der sich daraus ergibt, dass der Patient eben nicht lebenslänglich pflegebedürftig ist, kann monetär ohnehin nicht ausgedrückt werden. Insofern darf konstatiert werden, dass diese endovaskuläre Therapie schlussendlich ein sehr kosteneffizientes Verfahren darstellt.

Zeit ist Gesundheit

Im internationalen Vergleich verfügt Deutschland über sehr gute Strukturen zur Versorgung akuter Schlaganfälle. Bereits im Jahre 1994 wurde in Essen die erste Stroke Unit (SU) eröffnet. Das ist eine Spezialstation für Schlaganfallpatienten. Heute gibt es inzwischen 256 zertifizierte Stroke Units in Deutschland.

Aber es ist auch ein Rennen gegen die Zeit. Der Blutfluss im Gehirn muss unbedingt so schnell wie möglich wiederhergestellt werden. Die oben genannten Studien haben weiterhin gezeigt, dass der Stent Retriever innerhalb eines Zeitfensters von höchstens sechs Stunden nach dem Beginn von Schlaganfallsymptomen eingesetzt werden muss. Voraussetzung ist allerdings die sichere Ortung des Blutgerinnsels, die allein mit einer CT-Angiographie zu gewährleisten ist. Es sei abschließend noch einmal die Dringlichkeit betont, bei einem Schlaganfall schnell zu handeln.

Den sogenannten „FAST-Test auf Schlaganfall“ finden Sie zum Nachlesen zum Beispiel hier:
https://www.pflege.de/leben-im-alter/krankheiten/schlaganfall/symptome-anzeichen