Der erst 30-jährige Bonner Mathematik-Professor Peter Scholze wird schon heute als Ausnahmetalent gehandelt. Er erhielt gerade eine Auszeichnung auf dem Internationalen Mathematiker-Kongress in Rio de Janeiro.

Die Fields-Medaille ist wie ein Nobelpreis

Die Fields-Medaille gilt als Alternative zum Mathematik-Nobelpreis, den es nicht gibt, weil Alfred Nobel einst eine Antipathie gegen Mathematiker hatte. Peter Scholze hat nun genau diese Medaille, die seit 1936 jedes vierte Jahr an jüngere Mathematiker unter 40 verliehen wird, zurecht erworben. Das damit verbundene Preisgeld beträgt allerdings nur knapp 10.000 Euro. Die Fields-Medaille ging zugleich an diese vier jungen Mathematik-Genies:

  • Caucher Birkar hat kurdisch-iranische Wurzeln und lebt heute in Großbritannien
  • Alessio Figalli ist Italiener und arbeitet an der ETH Zürich
  • Akshay Venkatesh stammt aus Australien, seine Wirkstätte ist die Universität Stanford in den USA
  • Peter Scholze, ein junger deutscher Mathematiker aus Bonn

Womit beschäftigt sich Peter Scholze

Seit über 80 Jahren ist Peter Scholze erst der zweite deutsche Mathematiker, dem diese Medaille zuteilwurde. Sein Kollege zuvor war 1986 Gerd Faltings. Das Forschungsgebiet von Peter Scholze ist die Arithmetische Geometrie, die dabei hilft, Verbindungen zwischen unterschiedlichen Gebieten der Mathematik herzustellen. Der Sinn der Sache liegt darin, dass Problemlösungen, die in einem bestimmten mathematischen Bereich gelungen sind, so auch in Ansätzen auf andere Gebiete übertragen werden können, wo sich bislang noch keine Lösung abzeichnete. Insofern gilt seine Forschung als richtungsweisend und weltweit bahnbrechend.

Für seine Forschungsergebnisse erhielt Peter Scholze bereits mehrere Auszeichnungen, so zum Beispiel den Fermat-Preis von der Universität Toulouse oder den Leibniz-Preis von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. In der Laudatio einer Jury hieß es sogar, dass Scholze zu den einflussreichsten Mathematikern der Welt gehört.

Peter Scholze hat zweifellos ein Faible und ein großes Talent für Mathematik, denn bereits als 16-Jähriger versuchte er, den Beweis des Satzes von Fermat nachzuvollziehen, was eigentlich ein seit Jahrhunderten ungelöstes Problem der Zahlentheorie darstellt. Als Schüler nahm er vier Mal an der Internationalen Mathematik-Olympiade teil, wo er eine Silbermedaille und drei Goldmedaillen abstaubte. Da nimmt es nicht Wunder, dass er schon mit 24 Jahren zum Mathematik-Professor gekürt worden ist. Begegnet man dem jungen Mann heute in seinem Bonner Institut für Mathematik, könnte man fast meinem, einem der vielen Studenten gegenüberzustehen.

Wie kam es zu diesem Ausnahmetalent?

Vielleicht können wir es sogar der ehemaligen DDR verdanken? Schon sein Doktorvater Rapoport und der Mathematik-Professor Klaus Altmann, der sein Mentor an der Freien Universität Berlin war, besuchten ebenso wie der gebürtige Dresdner Scholze das Berliner Heinrich-Hertz-Gymnasium, das zu DDR-Zeiten als spezialisierte Schule extra für Hochbegabte gegründet worden war. Dieser Tradition ist das Gymnasium noch heute verbunden. An der Universität in Bonn studierte Scholze geradezu in einem Eiltempo, was auch seine Masterarbeit betrifft, die er innerhalb von fünf Monaten abgeschlossen hat. Sein langjähriger Mentor, der Mathematik-Professor Michael Rapoport, verglich Scholzes hervorragendes Talent einmal mit jenem von Amadeus Mozart.

Dass Scholze an seinem Bonner Arbeitsplatz besonders große Freiheit genießt, sodass er sich selbst als „Anarchist“ bezeichnet, sollte niemanden zu sehr verwundern. Er kann sich privilegiert jedes Forschungsthema beliebig aussuchen, denn das Hausdorff-Center für Mathematik möchte dieses Genie unbedingt ans Haus ketten. Immerhin erhielt Scholze sogleich nach der Dissertation die besten Angebote aus aller Welt.

Peter Scholze beschäftigt sich gern mit der reinen Mathematik, was konkret bedeutet, so abstrakte Rätsel zu lösen, dass diese kaum noch von Fachkollegen verstanden werden können. Ob diese Ideen am Ende jemals einen praktischen Nutzen haben werden, ist für Scholze nicht weiter wichtig, denn was ihn antreibt, das ist die Suche nach idealer mathematischer Wahrheit.