Wie soll es nach dem Bachelor weitergehen? Klar, jetzt kommt der Master. Oder etwa nicht? Braucht man heute unbedingt den Master, um Erfolg im Berufsleben zu haben? So ganz pauschal lassen sich all diese Fragen nicht beantworten, denn es kommt auf die Branche an, in der du tätig werden möchtest und nicht zuletzt auch auf deine Persönlichkeit.

Im Jahre 1999 unterzeichneten die europäischen Bildungsminister die Bologna-Erklärung. Die Idee dahinter war industriefreundlich in dem Sinne, dass die meisten Studierenden schon nach dem dreijährigen Bachelorstudium ins Berufsleben entlassen werden, lediglich ungefähr 30 Prozent sollten sich für den fortgesetzten Masterstudiengang entscheiden. Betrachten wir heute die Realität, erkennen wir, dass circa 75 Prozent der Bachelor-Absolventen weitermachen.

Sie fühlen sich selbst noch nicht ganz fertig ausgebildet

Befragt man die Studenten, die den Bachelor gerade gemacht haben, geben mehr als die Hälfte zu, noch nicht ausreichend auf das Berufsleben vorbereitet zu sein. Viele glauben, dass die Arbeitgeber den Bewerber mit Masterabschluss sicher bevorzugen würden. Allerdings sehen dies die Personalverantwortlichen in den Unternehmen ganz anders. Insbesondere bei den Ingenieuren wird dort der Bachelorabschluss sehr gern gesehen.

In der freien Wirtschaft ist der Abschluss nur ein Kriterium von vielen

Die Arbeitgeber in der freien Wirtschaft gehen davon aus, dass sie ihre Berufsanfänger nach ihren Bedürfnissen formen werden. Dafür eignet sich ein Bachelor zuweilen sogar besser als ein Master. Wichtig ist dem Arbeitgeber die Persönlichkeit des neuen Mitarbeiters, die sogenannten Soft Skills, die mit darüber entscheiden, ob der neue Kollege gut ins Team passt. Darüber hinaus spielen praktische Erfahrungen eine Rolle, die zum Beispiel im Rahmen von Tätigkeiten als studentische Hilfskraft, Tutorien, Praktika oder auch ehrenamtliches Engagement erworben worden sind.

Gezielte Weiterbildung hat eine Schlüsselfunktion

Besonders deutlich ist es im IT-Bereich, der bekanntermaßen so schnelllebig ist, dass der Mitarbeiter praktisch täglich dazulernen muss. Die dafür erforderliche Flexibilität kann bei dem meistens jüngeren Bachelor sogar höher liegen als beim Master. Daher bevorzugen es Firmen wie IBM, dass sich ihre neuen Mitarbeiter das notwendige Wissen direkt nach kurzem Studium im eigenen Hause aneignen. Das Modell läuft dort konkret so ab, dass den neuen Mitarbeitern mit Bachelor-Abschluss ein zweijähriges berufsbegleitendes Masterprogramm angeboten wird.

Bei Cisco hat man sich diesbezüglich eher für ein intensives Coaching und Wissensseminare entschieden. Bei der Telekom weisen in etwa zwei Drittel der Hochschulabsolventen den Bachelor auf. Sie kommen in den Genuss einer speziellen Weiterbildung mit der Bezeichnung „Cypersecurity Professional“, die gemeinsam mit der IHK Köln umgesetzt wird.

Hier reicht der Bachelor absolut aus

Es ist dem aktuellen Fachkräftemangel geschuldet, dass gerade Informatiker heute ohne Master völlig problemlos eine gute Stelle finden. So sind es unter anderem die Bereiche Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftswissenschaften oder Buchhaltung, wo Bachelor-Absolventen händeringend gesucht werden. Im Sozialwesen werden Bachelor-Absolventen gern in der Kinder- und Jugendarbeit sowie für die Flüchtlingshilfe engagiert.

Argumente für den Masterabschluss

Wer in der Forschung etwas werden will, sollte den Master unbedingt anstreben. Dies gilt insbesondere für die Naturwissenschaften. Gerade in der Industrie schmückt man sich gern mit Mitarbeitern, die sogar einen Doktortitel vorzuweisen haben. Führungspositionen im höheren Dienst werden in aller Regel nicht von Bachelor-Absolventen bekleidet. Immerhin ein Viertel der Bachelor-Absolventen mit einem geisteswissenschaftlichen Studienhintergrund ist inadäquat beschäftigt, das heißt, sie machen einen Job, der wirklich gar nichts mit dem Thema ihres Studiums zu tun hat. Im Durchschnitt verdient der Bachelor-Absolvent innerhalb der ersten drei Jahre nach seinem Abschluss 45.875 Euro pro Jahr. Der Master-Absolvent bringt es auf 54.137 Euro, das sind 18 Prozent mehr.

Fazit

Die Entscheidung, nach dem Bachelor weiter zu studieren, kann nur jeder für sich selbst verantwortlich treffen. Überlege dabei, wo du dich in ein paar Jahren beruflich stehen siehst. Eines ist sicher: Ohne ständige Weiterbildung geht es heute nicht mehr. Insofern kommst du zukünftig um das Lernen ohnehin nicht herum.