Krakatau beziehungsweise Krakatoa ist eine Vulkaninsel, die sich in der Sundastraße ziemlich mittig zwischen den indonesischen Inseln Java und Sumatra befindet. Eigentlich ist diese kleine Insel nur das südliche Überbleibsel einer riesigen Caldera mit circa neun Kilometer Durchmesser, von deren oberem Rand auch noch die Inseln Pulau Sertung und Krakatau Kecil über den Indischen Ozean hinausragen. Im Untergrund befindet sich ein Supervulkan, den man mit Fug und Recht als aktiv bezeichnen darf, denn im Verlaufe der letzten Jahrhunderte brach der Krakatau mehrmals aus. 

Die bekannteste und wahrscheinlich auch gewaltigste Eruption erfolgte am 27. August 1883, bei der fast der gesamte, riesige Berg explodierte und gewaltige Massen bis in die Stratosphäre geblasen wurden mit den bekannten, abkühlenden Auswirkungen auf das Klima. Übrig blieben an dieser Stelle nur die oben erwähnten kleinen Inseln, die noch heute den Rand der riesigen Caldera erahnen lassen. 

Doch dann passierte etwas Merkwürdiges fast im Zentrum der Caldera. Im Jahre 1927 tauchte dort neues Land aus der Meerenge empor, das sich seit dieser Zeit stetig weiter zu einem neuen Berg, zu einem neuen Vulkan auftürmt, dem Anak Krakatau, was als Kind des Krakatau übersetzt werden kann. Dieser Vorgang ist durchaus nicht einzigartig, denn man geht heute davon aus, dass genau an dieser Stelle im Jahre 535 n. Chr. schon einmal ein „Proto-Krakatau“ explodiert ist und dadurch in der Folge die Wetteranomalie von 535/536 ausgelöst wurde. 

Warum kam ein Tsunami aus dem Nichts?

Das Kind des Krakatau ist schon seit längerer Zeit sehr „verspielt“. Das ist auch gut so, denn die massiv herausfließende Lava ist gleichsam entlastend, wenn man zu Recht den sich aufstauenden Druck im Kessel fürchtet. Am 22.12.2018 ereignete sich um 21.03 Uhr Ortszeit eine stärkere Eruption und gut 20 Minuten später rollte ein Tsunami unaufhaltsam auf die umgebenden Küsten zu. Wir erinnern uns sofort an das große Tsunami-Beben am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 2004. Die Ursache war damals ein großräumiger, nahezu vertikaler Versatz des Ozeanbodens als Folge eines sehr schweren Erdbebens mit einer Magnitude größer als 9. Die Wassermassen darüber wurden instantan in Bewegung versetzt und traten als große Tsunamiwellen ihre rasche Reise in alle Richtungen an. 

Daraus hat die Wissenschaft gelernt, dass man in dieser oder vergleichbaren Regionen ein Tsunami-Warnsystem aufbauen sollte, das immer dann, wenn ein größeres Erdbeben den Meeresboden erschüttert, eine definierte Kette von Alarmen und Maßnahmen auslösen muss. Eine der unumstößlichsten menschlichen Eigenschaften scheint es zu sein, für alles und jedes ganz bestimmte Grenzwerte festlegen zu müssen. So entschied man hier kategorisch, dass die Erde erst einen Tsunami produzieren darf, wenn das vorangegangene Erdbeben mindestens eine Stärke von 6,5 aufweist. Allein, diesem Planeten sind unsere Regeln völlig egal. Vor der oben erwähnten Eruption des Anak Krakatau gab es ein Erdbeben der moderaten Stärke 5,3, kein Grund also für die Menschen, einen Tsunami zu erwarten. 

Tödlicher Denkfehler

Der Tsunami kam aber doch, wieder mit verheerenden Folgen. Worin liegt nun unser Denkfehler? Lavadecken lasten schwer auf ihrem Untergrund. Die basaltischen Gesteine, aus dem oberen Erdmantel emporgefördert, weisen Dichten um 3,3 Tonnen pro Kubikmeter auf. Der eher weiche, pyroklastische Untergrund rund um den Anak Krakatau kann davon nicht allzu viel tragen. Irgendwann ist eine Bruchgrenze erreicht. Der letzte größere Ausbruch hat offenbar das Fass zum Überlaufen gebracht. Jetzt regneten in rascher Folge so viele Tonnen Material hernieder, dass es unbemerkt unter dem Meeresspiegel zu einer Hangrutschung kam. Entsprechend viel Volumen an Wasser wurde instantan verdrängt und schaukelte sich zu einer Riesenwelle auf. Dass Hangrutschungen Tsunamis auslösen, ist in den Geowissenschaften schon sehr lange bekannt, war aber kein Grund, in die Szenarien der Tsunami-Warnung einbezogen zu werden. Bleibt nur zu hoffen, dass man hinterher mal wieder schlauer geworden ist.