Am 5. Mai 2018 startete die Marssonde InSight in Kalifornien durch die Initiative der US-Raumfahrtbehörde NASA. Dahinter verbirgt sich eine internationale Mission. Zum Mars transportiert wird auf diese Weise der 360 Kilogramm schwere Marslander, an dessen Entwicklung und Bau viele europäische Institutionen, insbesondere aus Deutschland und Frankreich, beteiligt sind. Der Flug wird circa ein halbes Jahr dauern. Geplant ist damit die Erforschung des Planeteninneren.

Das macht auch Sinn, nachdem die Oberfläche unseres Nachbarplaneten bereits mehrfach untersucht wurde. Seine Krater und Vulkane sowie seine Gebirge und Ebenen sind zum Teil schon zentimetergenau vermessen worden. Rover haben dort in verschiedenen automatisierten Experimenten nach Wasser und selbstverständlich nach Spuren des Lebens gesucht. In letzter Zeit stand vor allem die Marsatmosphäre im Fokus wissenschaftlicher Neugier.

Wie auch auf der Erde sind es vor allem Breitband-Seismometer, die Auskunft geben können über den inneren Aufbau eines Planeten. Da genau dieses wichtige Messgerät defekt war, musste der bereits im März 2016 geplante Start der Marssonde so lange verschoben werden. Das lag daran, dass stets auf ein günstiges Zeitfenster für den Start gewartet werden muss, das heißt, Erde und Mars müssen auf ihrer Bahn um die Sonne eine optimale Position einnehmen.

Am 26. November 2018 wird InSight, wenn alles gut geht, in der weiten Lavaebene Elysium Planitia landen und seine Arbeit aufnehmen. Neben dem Seismometer, das zur Registrierung von Marsbebenwellen direkt auf der Oberfläche installiert wird, wird sich eine schmale, stiftförmige Rammsonde mit einem Durchmesser von nur 27 Millimetern voraussichtlich ungefähr fünf Meter tief ins Gestein bohren. Sie dient dann der kontinuierlichen Aufzeichnung der Temperatur im Boden, das heißt, sie wird langfristig Daten über das Klima und dessen eventuelle Veränderung sowie über den Wärmefluss aus dem Planeteninneren liefern.

Über den Mars die Erde besser verstehen

Zu wissen glauben die Forscher heute, dass der Mars, wie auch unsere Erde, aus den Anteilen Kruste, Mantel und Kern aufgebaut ist. Aber anders als bei der Erde scheint der Marskern in der Hauptsache flüssiger Natur zu sein, was daraus geschlossen wird, dass der Mars praktisch kein nennenswertes Magnetfeld besitzt. Allein, wie mächtig die unterschiedlichen Sphären im Marsinneren sind, das steht noch in den Sternen. Gestellt werden solche Fragen an die aktuelle Marsmission unter anderem von Tilman Spohn, der dem Berliner „Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt“ angehört.

Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass es auf dem Mars eine so aktive Plattentektonik wie auf der Erde nicht gibt und auch nicht gegeben hat. Insofern ist dieser Planet seit seiner Bildung viel besser „konserviert“, als es die Erde ist, die ihr Gesicht mit vergleichsweise hoher Geschwindigkeit ständig verändert. Zwar entwickelte sich der Mars, wie die Erde, aus jener Materie-Urwolke, die einst Quelle für unser gesamtes Sonnensystem war, und die schweren Elemente sanken in dem noch geschmolzenen Himmelskörper ebenfalls ins Zentrum ab. Aber seit ungefähr schon drei Milliarden Jahren ist der Mars geologisch sehr ruhig, abgesehen von etwas vulkanischer Tätigkeit. Das heißt, mit dem Mars studieren wir zugleich die frühe Erde.

Jede der früheren Viking-Missionen setzte bereits in den 1970er Jahren ein Seismometer auf der Marsoberfläche ab. Eines dieser Instrumente versagte sogleich nach der Landung seinen Dienst, das andere Instrument lieferte wegen der unerwartet starken Winde eher unbrauchbare, sehr verrauschte Daten. Das Problem lag seinerzeit darin, dass das Seismometer auf dem „wackelnden“ Lander montiert und eben nicht direkt auf den Marsboden gestellt worden war.

Bei InSight soll nun alles viel besser werden. Ein Roboterarm soll das Mehrkomponenten-Seismometer über einen Meter entfernt vom Landegestell auf drei Füßen platzieren. Bei der Einhausung der Hardware wurde auf eine druckdichte Hülle geachtet, sodass der schwankende Luftdruck und die Winde kaum noch Einfluss auf das Instrument nehmen können. Dabei wird der Innendruck der Messapparatur auf maximal 0,01 Millibar eingeregelt, was sich während der Entwicklung durchaus als technische Herausforderung erwiesen hat. Außerdem wird mit dem Roboterarm noch eine zusätzliche Schutzhaube mit einem Aerogel über das Messgerät gestülpt.

Mit der Verschiebung des Starttermins um zwei Jahre stiegen allerdings die Kosten der Mission um 153 Millionen US-Dollar und betragen nun insgesamt 875 Millionen US-Dollar. Das mag man kritisieren, allein, wir wissen, dass immer sehr viel kostspielige Forschung betrieben werden musste, um zu bestimmten wichtigen Erkenntnissen zu kommen, die die Menschheit wahrlich vorangebracht haben.