Ausgerechnet am Heiligabend des Jahres 2018 brach der süditalienische Vulkan Ätna auf Sizilien aus. Gleich an mehreren Stellen riss der Berg auf, aus denen Aschewolken und Lava herausquollen. Begleitet wird das unheimliche Spektakel von Erdbebenserien, die ebenso wie die Bodenhebungen von aufsteigenden Magmen angetrieben werden. 

Wie gefährlich ist der Ätna?

Durch die Erdbeben, das Stärkste erreichte immerhin die Magnitude 4,8, wurden mindestens 28 Menschen zum Beispiel durch herabfallende Trümmerteile verletzt. An 1.600 Wohnungen wurden zum Teil erhebliche Beschädigungen gemeldet, insbesondere im Ort Zafferana Etnea. Besonders stark wurde eine Kirche aus dem 17. Jahrhundert beschädigt. Der Flugverkehr von und nach Sizilien musste zeitweise eingeschränkt werden. Noch haben die halbwegs berechenbar fließenden Lavaströme keine Ortschaften erreicht. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, falls sich die Lavaproduktion noch wochenlang fortsetzt. In diesem Fall werden sicher auch bewohnte Regionen im Tal erfasst. 

Ist dies ein ganz gewöhnlicher Ausbruch?

Der Name Ätna entstammt wahrscheinlich dem Indogermanischen und bedeutet in etwa „brennend“. Es ist der aktivste Vulkan Europas. So brachte er während der vergangenen Jahre alle paar Monate größere Mengen Asche und Lava hervor. Doch der aktuelle Ausbruch hat seine Besonderheiten. Seit fast elf Jahren ist der Ätna sehr wahrscheinlich mal wieder auf einer Flanke ausgebrochen, allerdings wird die Sicht noch durch Aschewolken verdeckt. Es sieht aber danach aus, dass die aktuelle Eruption einen neuen Krater in der Nähe des Gipfels entstehen ließ. Tatsächlich sucht und findet das Magma alle paar Jahrzehnte neue Wegigkeiten nach oben, wobei immer wieder neue Schlote entstehen: 

  • 1911 – entstand der Nordkrater dicht neben dem Zentralkrater.
  • 1945 – öffnete sich das „Riesenmaul“, der Voragine.
  • 1968 – folgte der „Bocca Nuova“ (neuer Mund).
  • 1971 – kam der Südostkrater hinzu.

Radarmessungen von Satelliten zeigen, dass der Ätna geradezu atmet, insbesondere sein Dach führt rhythmische, vertikale Bewegungen aus. Einen Ausbruch kündigt der Berg an, indem er manchmal über zehn Zentimeter anschwillt. Wenn alles getan ist, schrumpft er wieder in sich zusammen. Schon in den 1970er Jahren stellten die Vulkanologen fest, dass sich die Ausbrüche mit einem dumpfes Rumoren um 70 Hz ankündigen. Heute weiß man, dass diese Bass-Gesänge etwas mit den aufsteigenden Magmen in den Schloten zu tun haben. 

Von gemütlichen und ungemütlichen Vulkanen

Explosive Ausbrüche kamen beim Ätna selten vor, aus diesem Grunde wird er gern als der „Gutmütige“ bezeichnet. Das hängt damit zusammen, dass Gase relativ leicht entweichen können und daher die Lava meistens eher behäbig aus den Flanken hervorquillt. Ein ganz ähnliches Verhalten zeigt auch der Kilauea auf Hawaii. Doch in den vergangenen Jahren verliefen die Eruptionen des Ätna anders und deuten einen Wandel seines Charakters an. Die Vulkanologen konstatierten aktuell die explosivste Phase der letzten 2000 Jahre. Da das Magma zurzeit besonders schnell nach oben strömt, hat es keine Zeit, seine Gase abzugeben. In der Folge ist der Gesteinsbrei, der den Gipfel erreicht, ziemlich explosiv. 

Wann besteht eine Tsunami-Gefahr?

Beim Gedanken an einen Vulkanausbruch kommt man in diesen Tagen an der Befürchtung eines Tsunami nicht vorbei, hat uns der Anak Krakatau diese zusätzliche Gefahr doch gerade in Indonesien vor Augen geführt. Könnte dies so auch in der Straße von Messina passieren? 

Im Oktober 2018 haben Wissenschaftler vom Kieler „GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung“ eine Studie veröffentlicht, in der auf ein gewisses Tsunami-Risiko durch den Ätna hingewiesen wird, da sich der Vulkan phasenweise auch mal etwas schneller bewegt. Damit einhergehend bestehe durchaus eine Gefahr, dass größere Massen plötzlich ins Meer abstürzen. Dies würde zumindest weite Küstenregionen im östlichen Mittelmeer in Mitleidenschaft ziehen. Genau das ist möglicherweise schon mal vor gut 8.000 Jahren passiert. 

Am schlimmsten würden Messina und Reggio Calabria von einem solchen Tsunami getroffen werden, weil sich die Straße von Messina nach Norden hin immer weiter einengt. Dies führt unweigerlich zu einem extremen Auftürmen der Welle, sodass die Nordostspitze Siziliens bei Torre Faro ganz und gar überspült werden würde.